Kultur : Zitronenblüte

Giovanni Antonini zu Gast bei den Philharmonikern

Ulrich Pollmann

Da prallen Temperamente wie Urgewalten aufeinander: Ein quirliger, mit theatralischen Gesten und Gebärden geradezu um sich werfender Dirigent feuert die Philharmoniker an – die ihrerseits leider beschlossen haben, Händels Concerto Grosso in B-Dur in aller Ruhe anzugehen. Mit wenigen präzisen Anweisungen hätte Giovanni Antonini die Musiker wohl mehr beeindrucken können, so aber lassen sie den Italiener erst einmal zappeln. Händel gerät auf diese Weise eher norddeutsch als italienisch. Wie gut die Philharmoniker allerdings mittlerweile im barocken und frühklassischen Repertoire zu Hause sind, zeigt sich dann in Mozarts Fagottkonzert (mit Stefan Schweigert als Solisten). Und mit feinsten dynamischen Abstufungen im vibratolosen Streicherklang gerät der Beginn der Sinfonie c-moll des erst kürzlich wieder entdeckten Komponisten Joseph Martin Kraus mit seinen unerhört schönen, dunkel abgetönten Dissonanzen zum Höhepunkt des Abends.

Nach der Pause dann betritt der Dirigent mit einer handlichen Flöte das Podium. Als Blockflötenspieler darf Antonini endlich sein ganzes Temperament ausleben, wie ein Gaukler auf einem neapolitanischen Jahrmarkt legt er sich ins Zeug. Wenngleich ihm in Guiseppe Sammartinis F-Dur-Konzert, einem Juwel der Flötenliteratur, vor allem im turbulenten Schlusssatz viel Mitreißendes gelingt, so sind seine Geschmacksentgleisungen im langsamen Mittelsatz doch eigentlich unverzeihlich. Das wunderbar schlicht sich wiegende Siciliano wird im Ausdruck derart überhäuft und mit billigen Verzierungen versehen, dass es kaum wieder zu erkennen ist. Und auch die Solokadenz gerät ihm leider zur effekthascherischen Etüde. Ein wenig philharmonische Gelassenheit hätte dem Dirigenten als Solisten zweifellos gut getan.

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