Kultur : Ziviler Ungehorsam

Silvia Hallensleben

findet das Politische im Sommerloch Sommerloch allenthalben, auch im Kino. Arsenal und Babylon laufen auf Sparflamme, andere Spielorte haben geschlossen. Dennoch: hier zwei Beispiele einer amerikanischen Filmkultur, die den Geist zivilen Ungehorsams atmen.

Ob es ausgerechnet die staatsgewaltstrotzende Schlussszene war, die die DDR-Kulturverwalter an Stuart Hagmans The Strawberry Statement (1969) mochten? Schließlich waren es ja US-amerikanische Uniformierte, die da auf wehrlose Studenten eindroschen. Dem Publikum waren solche feinen Unterschiede wohl nicht so wichtig. Als der Film unter dem Titel „Blutige Erdbeeren“ als einziger Vertreter des jungen studentenbewegten US-Films in der DDR zu sehen war, wurde er – wohl auch wegen der Musik von Neil Young, Lennon und Genossen – schnell Kult bei jungen Osthippies. Jetzt ist der Dauerbrenner in der original ZDF-Synchronisation bis Sonnabend im Babylon zu sehen, am Freitag auch im Kino Kiste.

Für einen Kultfilm ist die Vietnam-Dokumentation Winter Soldier zu eindringlich und brutal. Einmal anschauen reicht, das Durchlebte lässt einen nicht wieder los. Deswegen dürfte der Film, der von einem Kollektiv mit der Dokumentaristin Barbara Kopple gedreht wurde, viele Menschen fürs Leben geprägt haben, als er 1972 im Berlinale-Forum zu sehen war. „Winter Soldier“ besteht außer einigen Archivbildern nur aus Worten. Doch die haben es in sich: Zeugenaussagen von Vietnamkämpfern bei einem Hearing zu US- Kriegsverbrechen, das 1971 von den „Vietnam Veterans Against the War“ organisiert worden war. Deren Vorsitzender hieß übrigens: John Kerry. (In der OmU-Fassung im Regenbogenkino, Freitag bis Montag).

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