Kultur : Zm ersten, zum zweiten, zum hundertsten!

Katrin Wittneven

Kraftvoll leuchten die Farben der Sonnenblumen in Gelb und Orange. Düster türmt sich dagegen der Himmel über einem geduckten Haus in einer Marschlandschaft - als würde er von dem drohenen Unwetter künden, das wenige Jahre später über Deutschland hereinbricht. Beide Bilder sind singuläre Werke von Emil Nolde und mit Schätzungen von 1,3-1,8 Millionen Euro für den "Kübel mit Sonnenblumen" von 1937 und 1,5-2 Millionen Euro für den "Hülltoft Hof" von 1932 die Spitzenreiter der an Meisterwerken reichen 100. Auktion in der Villa Grisebach. Das Berliner Auktionshaus kann zu seiner Jubiläumsauktion am 7. Juni mit herausragenden Werken des deutschen Im- und Expressionismus aufwarten: darunter der "Bacchantenzug" von Lovis Corinth (Taxe 120 000 bis 140 000 Euro), Wilhelm Morgners "Himmelfahrt" (Taxe 120 000-140 000), Max Liebermanns "Allee im Tiergarten" (Taxe 400 000-600 000 Euro) oer Max Pechsteins "Rettungsboot" (Taxe 400 000-500 000).

Jedes dieser Bilder hat seine eigene Geschichte. Karl Schmidt-Rottluffs wild-bewegtes "Gewitter zieht auf" von 1919 / 20 gehörte einmal dem Leipziger Ehepaar Peters, das mit Pechstein befreundet war und eine der wenigen Privatsammlungen mit Arbeiten des Expressionisten noch zu seinen Lebzeiten aufbaute. Während des Zweiten Weltkriegs wurde es ausgelagert und kam über Erbfolge in eine Privatsammlung nach Nordrhein-Westfalen (Taxe 350 000-500 000 Euro). Dramatischer noch ist die Provenienz des "Hülltoft Hofs", das zwei Jahre nach seiner Entstehung von der Hamburger Kunsthalle erworben wurde. 1937 als "entartet" konfisziert, hing es in der Münchner Ausstellung und gelang schließlich über den Berliner Kunsthändler Karl Buchholz nach Norwegen. Die letzten fünfzig Jahre gehörte es in eine norddeutsche Privatsammlung. Neben den Gemälden wird bei der Auktion expressionistische Grafik allererster Güte aufgerufen: Ernst Luwig Kirchners "Reiter im Grunewald" (1914) gehört dazu oder Karl Schmidt Rottluffs "Melancholie" (1914), deren Preise zwischen 18 000 und 70 000 Euro geschätzt werden.

Auftakt der diesjährigen Frühjahrsauktion im Hause Grisebach macht bereits am kommenen Donnerstag die Fotografie. Zu den Preziosen gehört der bisher unpublizierte Vitageprint "Vakhtan Doski" von Alexander Rodtschenko. Während einer Reportage in einem Sägewerk entstand die Fotografie 1931 in der für ihn typischen extremen Untersicht. "Zille und dem kritischen Berlin" ist eine eigene Auktion gewidmet, bevor Freitagabend die Jubiläumsauktion folgt. Am Sonnabend schließen "Die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts" und die "Schätzpreise bis 3000 Euro" die Frühjahrsauktionen ab.

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