Kultur : Zoo mal so

Immer mehr Galeristen leisten sich einen Kurator

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Man mag die grassierende Kuratitis mit Skepsis betrachten, und neulich seufzte eine Kunsthistorikerin: „Jetzt gibt es sogar schon Zoo-Kuratoren!“ Doch gerade bei Themenausstellungen erweist sich der Blick der Anderen auch für Galeristen als durchaus lohnenswert.

Die auf indische Kunst spezialisierte Galerie Nature morte hat ihr Programm im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen auf Künstler dieser Region erweitert und hierfür die Kuratorin Tereza de Arruda eingeladen. Eine der stärksten der insgesamt 18 Arbeiten ist Vivan Sundarams Video „River Yamuna“. In strahlendem Pink gleitet ein aus 8000 Plastikflaschen recyceltes Floß durch schlammbraunes Wasser. Eine Seerose entpuppt sich als flammenzüngelnder Abfall, irgendwo schwimmt eine tote Kuh. Am Ufer wird das poetische Treibgut von einer Menschenmenge zerrupft – werden die Flaschen wieder zu Geld. Ob Thukral & Tagras skurril-indischer Pop, die apokalyptische Malerei der Chinesen Xiong Yu und Wang Chengyun oder die Leuchtobjekte von Sheba Chhachhi – de Arruda gelingen aufschlussreiche Blickachsen und Denkräume. Leider ist „Asianart Sustain“ in der Zimmerstraße 90/91 nur noch am heutigen Samstag zu sehen.

Alexandra Roeckelmann lässt die Ausstellung „Antinomies : Gegensätze“ in ihrer Galerie Open (Legiendamm 18- 20, bis 22. Oktober) von Jeni Fulton kuratieren, die mit Allison Fall und Madeline Stillwell wilde Performancekunst zwischen Plastik, Collage und Action Painting mit Bauschutt vorstellt. Auch Matthias Arndt hat sich – auf der Suche nach neuen Ausstellungsformaten – kuratorischen Beistand geholt. Richard Koh und Jean-Marc Decrop versammeln in „Asia: Looking South“ acht Positionen jenseits eurozentrischer Sehgewohnheiten. In „Writing in the Rain“ versinnbildlicht der in Jakarta lebende FX Harsono seine Assimilation in Indonesien, und Entang Wiharsos wirft im Stil des indonesischen Wayang in seiner Rauminstallation Schatten der heutigen Gesellschaft an die Wand. Das wirkt bisweilen opulent, in der ungewohnten Ästhetik aber allemal erfrischend (Potsdamer Straße 96, bis 27. Oktober).

Nicht nur ein Thema, sondern gleich stilistisch Neues verspricht die Werkstattgalerie mit „Inbetween. Zwischen Neuer Abstraktion und Neuer Konkretheit“. Rudolf zur Lippes Tuschezeichnungen mischen Zen-Kunst mit lyrischer Abstraktion. Das Zufallsprinzip eröffnet bewegte Momente, bahnbrechend neu ist es aber ebenso wenig wie der dekorative Pop von Ingeborg zu Schleswig-Holstein. Alexander de Cadenets Keramikkacheln oder Bruno de Panafieus Papierfaltungen allerdings schrammen am Kunsthandwerk nur knapp vorbei. Da wünscht man sich einen versierten Kurator (Eisenacher Straße 6, bis 3. Oktober). Michaela Nolte

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