Kultur : Zu den Gamben gehen

Jörg Königsdorf

trommelt für das Musikinstrumenten-Museum Das Musikinstrumenten-Museum steht kurz vor dem Durchbruch: Wenn endlich der neue Eingang direkt gegenüber dem Sony-Center fertig ist, sollen die Touristenscharen, die im Umfeld des Potsdamer Platzes jeden Tag umherstreifen, endlich auch auf die ehrwürdige Sammlung von Fortepianos, Zinken und Bassgamben aufmerksam werden, die bislang hinter einer abweisenden Fassade verborgen liegt. An der Zeit wäre es, und angesichts der Mühen, die offenbar damit verbunden sind, den Komplex aus Philharmonie, Kammermusiksaal und Museum gegen Berlins neue Mitte hin zu öffnen, hat diese kleine architektonische Maßnahme schon fast Sensationscharakter. Mit der Ruhe wäre es dann allerdings vorbei: Wer künftig mitten im Großstadttrubel einfach mal ein paar Stunden allein sein will, müsste wohl ins Kunstgewerbemuseum zwei Häuser weiter umziehen.

Um das Interesse eines durchschnittlichen Touristen zu fesseln, müsste das Museum allerdings auch die Präsentation seiner Sammlung überdenken: Eine Halle voller Cembali sieht nun mal nicht viel anders aus als der Ausstellungsraum eines Bestattungsunternehmers – akustische Aufrüstung wäre da dringend notwendig, ist aber derzeit wohl kaum bezahlbar. Vielleicht erbarmt sich ja Sony und leistet mit technischem Equipment Nachbarschaftshilfe.

Bis dahin müssen die Veranstaltungen im Curt-Sachs-Saal reichen, der sich vor allem als Podium für Nachwuchskünstler etabliert hat. Höhepunkt des Jahres ist dabei der Alte Musik-Treff , der in diesem Jahr zum zehnten Mal stattfindet. 36 junge Ensembles und Solisten präsentieren sich von Freitag bis Sonntag in der Hoffnung, einen der beiden Preise zu gewinnen. Die Teilnehmer kommen aus Deutschland, der Schweiz, Belgien und den Niederlanden – Indiz dafür, dass der Wettbewerb überregionale Ausstrahlung hat. Vielleicht kommen ja sogar ein paar Touristen. Wenn sie den Eingang finden.

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