Kultur : Zu Leibe gerückt

ELFI KREIS

"Was bleibt?" Die Frage hat Jürgen Kellig als Titel seiner Ausstellung im Saalbau Neukölln gewählt und damit nicht zuletzt auch seine Arbeitstechnik gemeint haben.Der Berliner Künstler bedient sich einer intuitiven Arbeitsweise als "Reise ins Ungewisse".Bis zuletzt bleiben die Resultate offen, erklärt er.Sein Interesse gilt Spuren, die auf Mauern, auf Türen oder Blechen aufzufinden sind.Materialien und Fundstücke unterschiedlicher Struktur faszinieren ihn.Kellig collagiert, klebt Papiere und Wellpappe aufeinander und reißt sie teilweise wieder ab.Grober Sand oder Bitumen werden darübergespachtelt, die wie verputzt wirkenden Oberflächen ritzt er anschließend ein.Sodann übermalt er, wäscht Schichten teilweise wieder ab und bezieht Fundstücke, Holz oder Heu ein.Der Bildoberfläche rückt er in seinem Arbeitsprozeß zwischen Aufbau und Zerstörung bisweilen brachial mit Hammer oder Schraubenzieher zu Leibe.Trotzdem sind die meisten Werke recht ordentlich gemacht.Sie sind nie richtig schlecht, aber auch nicht richtig gut.Denn wo hinter informeller Malerei keine ausgeprägte Künstlerpersönlichkeit steht, keine souveräne Haltung mit handwerklicher Virtuosität gepaart ist, wirkt sie belanglos und beliebig.

Das Kulturamt Neukölln gibt in seinen Ausstellungsräumlichkeiten im Saalbau vor allem dem Nachwuchs eine Chance.Das ist an sich eine lobenswerte Sache.Was aber ist vom einstigen Anspruch geblieben, nicht dem Allerweltsgeschmack nachzujagen, dem Publikum auch Experimentelles zuzumuten? An den leeren Geldtöpfen allein kann es nicht liegen, wenn das Ausstellungsprogramm - wie an vielen anderen kommunalen Kunstorten Berlins - im mainstream unterzugehen droht.Denn eigentlich war gerade das von Dorothea Kolland geleitete Haus lange Zeit ein Musterbeispiel, daß Finanznot erfinderisch macht.

Galerie im Saalbau, Karl-Marx-Str.141, bis 14.Februar.MI bis SO 12 - 18 Uhr.

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