Kultur : Zu schön für uns

FORUM

Silvia Hallensleben

Ein bisschen zu reizend anzuschauen ist die 14-jährige Kathy mit ihren traurig-trotzigen dunklen Augen schon. Oder darf es Zu-Schön im Kino nicht geben, weil nur das Beste gut genug ist, um unsere verwöhnten Blicke noch an die Leinwand zu fesseln?

Der chilenische Regisseur Gonzalo Justiniano – schon 1985 und 1995 war er im Forum zu Gast – kennt sich aus mit den Zaubermitteln verführerischen Erzählens. Auch die elliptischen Szenen von B.Happy , die aus dem dunklen Fluss des Geschehens mit einer Geste oder einem Blick bestimmte Tableaus herausleuchten, lassen uns fast widerstandslos hineingleiten in die Welt dieses Mädchens in der chilenischen Provinz.

Leicht hat sie es trotz ihrer Schönheit nicht. Der Bruder ist ein grobschlächtiger Nichtsnutz. Der Vater sitzt wegen Raubes im Gefängnis, während die Mutter es im Hinterzimmer mit dem Krämer treibt. Irgendwann bricht selbst dieses armselige bisschen Zuhause zusammen, und Kathy sitzt so einsam in der schäbigen Küche, dass sie den Bus nimmt und abhaut, dem mittlerweile entlassenen – und entschwundenen – Vater hinterher. Ihr Motto: „Ich habe vor nichts Angst."

Soviel Eigensinn scheint auch Regisseur Gonzalo Justiniano unheimlich gewesen zu sein. Warum sonst stürzt die vorher so stimmige Geschichte im letzten Drittel des Films ab in eine Anhäufungvon – die Heldin auch noch demütigenden – Gemeinplätzen?

Heute 19.15 Uhr (Delphi), morgen 15 Uhr (Babylon), 20 Uhr (Arsenal), 11.2, 14.30 Uhr (CineStar 8)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben