Kultur : Zu verkaufen: André Bretons Millionen-Schätze

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Er hat 1924 das „Manifest des Surrealismus“ verfasst und später die legendäre „Anthologie des schwarzen Humors“, er war Motor, Mentor und Poet einer Jahrhundertbewegung, befreundet mit Max Ernst, Miró, Dalí, Picasso, Eluard, Arragon. Sie alle sind bei André Breton verkehrt, auch in seiner nahe dem Montmartre gelegenen Pariser AtelierWohnung Rue Fontaine 42, die der Sammler und Jäger Breton bis zu seinem Tod 1966 in ein lebendes Museum nicht nur der Moderne, sondern aller Zeiten und Kulturen verwandelt hat. Eine Wand aus Bretons Atelier – oben mit einem Gemälde Mirós und japanischen Tuschzeichnungen, mit afrikanischen und ozeanischen Kultobjekten – ist bis Sonntag noch in der Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zu sehen: in der von Werner Spies grandios komponierten, vom Centre Pompidou übernommenen Surrealismus-Ausstellung (Tsp. vom 26.3.02). Sie ist, soeben zur „Ausstellung des Jahres“ gewählt, ein Zuschauermagnet geworden. In Paris freilich droht ein Skandal. Tochter und Enkelin können die Sammlung André Bretons nicht mehr unterhalten, die noch orginalgetreu bewahrte Pariser Wohnung soll aufgelöst und ihr Inhalt in 10000 Losen mit einem Gesamtwert von etwa 40 Millionen Euro im Frühjahr versteigert werden. Bis auf die vom Centre Pompidou erworbene „Wand“ würde sich damit ein singuläres Stück europäischen Weltkulturerbes in alle Winde zerstreuen. Ein Fall, wahrlich, für den sonst gerne bekräftigten Kulturbesitz-Anspruch des französischen Staats. P.v.B. Foto: Kunstsammlung NRW

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