Zuckende Körper : Suede im Huxley’s

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Ein Piano-Intro baut sich auf zu monumental orchestraler Ouvertüre, über den Köpfen der Fans wehen Arme, über der Bühne flackert ein überdimensionaler Schriftzug: „Suede“. Vor 20 Jahren war die mächtig gehypte Londoner Band Wegbereiter des Britpop, 2003 verschwand sie, gab 2010 ein furioses Comeback-Konzert in der Royal Albert Hall und veröffentlichte 2013 das erste Album nach zehn Jahren.

Jetzt stehen Suede im Rahmen ihrer „Bloodsports“-Tour auf der Bühne des Huxley’s: Bass, Schlagzeug, Gitarre und Tasten. Eine unauffällige Einheit in Schwarz, die gut und kompakt spielt. Der Sound: ein massives Brett. Und davor Sänger Brett Anderson in Jeans und weißem Hemd, er sieht Udo Jürgens verblüffend ähnlich. Luke Haines von den Ex-Kollegen The Auteurs schreibt in „Bad Vibes“, seiner Autobiografie, dass Anderson ihn eher an einen Seifenoperndarsteller erinnere als an einen Rocksänger. Seine manierierten Posen sind in der Tat eindrucksvoll: der Körper in ständigem Rucken und Zucken, in der Stimme merkwürdig artifizielles Drama, dazu Licht und Lautstärke, kunstvoll und bombastisch, als entscheidende Bestandteile der Show.

Suede wirken wie ein Heißluftballon. Eine leere Hülle, aufgeblasen mit viel heißer Luft, die prall und rund wird, tatsächlich abhebt, Fahrt aufnimmt und mit Songs wie „It Starts And It Ends With You“ in ungeahnte Höhen segelt. Und auch mal in den Tiefflug geht: „Float Away“, „Still Life“. Auf und ab. Mit weicher Landung nach anderthalb Stunden. Mit Hüpfen und enthusiastischen Fangesängen: „Beautiful Ones“.

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