Kultur : Zündende Idee

Jutta Richter auf der Spur des Unheimlichen.

Ulrich Karger

Mia erzählt von Sommerferien „so lang wie die Ewigkeit“, wenn der Eismann erst in drei Stunden kommt und das Warten auf ihn sich anfühlt wie drei Wochen oder drei Monate. Nur gut, dass Felix Streichhölzer dabei hat. Ein bisschen trockenes Gras am Bahndamm anbrennen, ist doch nicht schlimm. Aber dann brennt es weiter und weiter. Und am Ende werden Mia und ihre beiden Freunde wegen ihrer Löschversuche als Helden gefeiert und ein anderer der Brandstiftung beschuldigt ...

In „Helden“ erzählt Jutta Richter einmal mehr eine sprachlich formvollendete Geschichte, die offenkundig an das eigene Erleben in den 1960ern anknüpft. Zwar wird in Cents bezahlt, aber Mia, Felix und Corinna verfügen weder über Handys noch Computerspiele. Ihrer Langeweile müssen sie mit eigener Fantasie begegnen und gründen deshalb einen „Club der Meisterdetektive“, der dem „Unheimlichen“ auf die Spur zu kommen sucht. Unheimlich können zum Beispiel Erwachsene sein, die hinter geschlossenen Fenstern spitze Schreie ausstoßen oder torkelnd und lallend die Straße entlanggehen. Aber auch nicht unheimliche Erwachsene können bedrohlich sein, wie die Tratschtante, die alles mitbekommt, oder Eltern, die über Kinder hinweg sprechen und wiederum vom Fernseh- und Taschengeldentzug bis zum Hausarrest alle möglichen Abstufungen der Strafe kennen – und auch anwenden.

Anstoßgeber für „zündende“ Ideen ist meist Felix, dessen alleinerziehende Mutter depressiv ist, weswegen Felix auch schon im Heim war und womöglich bald wieder zurück muss.

Insbesondere dann, wenn er zugibt, kein Held, sondern der versehentliche Brandstifter gewesen zu sein. Es geht also um den Zusammenhalt und den Mut zur Ehrlichkeit, aber eben auch um eine vielen Kindern heute ferne Welt des Spielens und Experimentierens im „real life“. Die auf den Punkt gebrachten Schilderungen von Erlebnissen sowie die anschaulich skizzierten Charakterstudien sind in eine spannende Rahmengeschichte eingebettet.

Damit, aber auch wegen seines relativ geringen Umfangs, eignet sich das Buch sehr gut für noch eher ungeübte Leser wie auch für den Einsatz als spannende Lektüre in der Schule. Ulrich Karger











Jutta Richter:
Helden. Erzählung. Hanser Verlag, München 2013. 93 Seiten. 10 Euro. Ab neun Jahren.

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