Zufall : Flügelschläge

Maria Vedders Videoinstallation in der Galerie des Deutschen Künstlerbundes beschäftigt sich mit dem Zufall. Genauer: Mit dem Zufalls-Phänomen Stau.

Nicola Kuhn

Im Moment ist viel vom Zufall die Rede und wie etwas passieren kann: ein Verkehrsunglück, der Sturz vom Pferd oder der Zusammenprall des thüringischen Ministerpräsidenten mit einer tschechischen Skifahrerin auf einer Piste. Dazu passt, zufällig, die Ausstellung der Berliner Videokünstlerin und UdK-Professorin Maria Vedder in der Galerie des deutschen Künstlerbundes. Doch ihre Videoinstallation „Aus dem Nichts“ handelt von einem anderen Zufalls-Phänomen: vom Stau, der sich oft aus heiterem Himmel ergibt.

Denn nicht immer muss der Zusammenstoß zweier Autofahrer die Ursache dafür sein; manchmal reicht auch schon ein kräftiges Bremsen vom Vordermann. Maria Vedder führt das aus der Vogelperspektive vor. Sie filmte 25 Autos aus der Höhe, die in gleichbleibendem Abstand und Tempo im Kreis fahren. Irgendwann gerät der Verkehr ins Stocken und hält an; ein Grund ist nicht zu erkennen. Nach kurzer Zeit drehen sich die Wagen wieder im Kreise, als wäre nichts geschehen. Die Verkehrsforschung versucht bislang vergeblich, diesem Phänomen, das ganze Autobahnen lahmlegt, auf die Spur zu kommen. Die Fahrer reagieren auf die Folgen des Staus, das mal minuten-, mal stundenlangelange Warten, vergleichsweise entspannt, wie die dazwischenmontierten Sequenzen zeigen. Sie können ohnehin nichts ändern.

Zur Verhinderung eines Unfalls, der garantiert zum Stau führt, lässt sich anders als gegen den Zufall allerdings eine Menge tun: weniger rasen, defensiv fahren. Dennoch wird Maria Vedders Video „Aus dem Nichts“ zur Metapher für die Unwägbarkeiten des Lebens, den ewigen Kreisverkehr, bei dem die kleinste Störung die größten Folgen haben kann. Wenn schon die Chaosforschung erklärt, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in der Karibik einen Herbststurm in Mitteleuropa auslösen kann, dann wird es schwer, sich seines Schicksals zu erwehren. Trotzdem sollte man es versuchen.

Deutscher Künstlerbund e.V., Rosenthaler Staße. 11, bis 20. Februar; Di – Fr 14 – 18 Uhr Projektdokumentation, 18 – 24 Uhr Außenprojektion.

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