Zukunft des Humboldt-Forums : Humboldts Woche

Jetzt geht's los: Das Humboldt-Forum tritt heraus aus den Schatten, die es schon lange wirft. Rüdiger Schaper freut sich auf eine neue Phase in Berlins Kultur.

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Humboldt-Forum
Blick vom Fernsehturm auf das Gelände des Humboldt Forums an der Spree in Berlin.Foto: Rainer Jensen/ dpa

Luther, Goethe, Gutenberg stehen als Zentralfiguren in der Ausstellung, die Deutschland mit dem „Britischen Blick“ betrachtet. Wandert man durch den Martin-Gropius-Bau, begegnet man auch Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus, den Malern der Romantik. Sie haben das Bild der Deutschen und ihrer Natur stark geprägt. Made in Germany – in Gestalt von Albrecht Dürer tritt der Künstler als Unternehmer in Erscheinung.

Deutsches Porzellan und Schmiedekunst waren Fortschrittstreiber ebenso wie das Bauhaus-Design, das deutsche Moderne definiert. Diese „Erinnerungen einer Nation“ drehen sich um deutsches Selbstverständnis – und unseren Einfluss auf die Welt. Doch die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt findet man nicht, wie auch viele andere Wissenschaftler fehlen. Die weltläufigen Humboldts hatten es, trotz größter Verdienste, immer schon schwer, ihren Platz in der deutschen Geistes- und Kulturgeschichte zu bekommen.

Ausstellung in der Humboldt-Box

Neil MacGregor, damals Direktor des British Museum, hatte die Germany-Schau für sein Haus initiiert. Jetzt ist er Gründungsintendant des Humboldt-Forums in Berlin. Der neuen Institution, die im wieder aufgebauten Schloss entsteht, werden die allerhöchsten Erwartungen entgegengebracht und die vielfältigsten Aufgaben erteilt. Eine davon liegt sicher darin, dem Namen Humboldt hierzulande die Bedeutung zu geben, die in ihm steckt.

Diese Woche wird eine Humboldt-Woche. Am Mittwoch eröffnet in der Humboldt-Box die Ausstellung „Extreme! Natur und Kultur am Humboldtstrom“. Sie wird einen ersten Einblick geben in das, was ab Herbst 2019 im und mit dem Humboldt-Forum geschehen soll. Wohin die Reise geht. Am Mittwochabend diskutieren die Gründungsintendanten Neil MacGregor, Hermann Parzinger und Host Bredekamp mit Koko Warner, der Leiterin der Sektion für umweltbedingte Migration der United Nations University, und mit dem Architekten Francis Kéré; er hat das von Christoph Schlingensief ins Leben gerufene Operndorf in Burkina Faso gebaut. Und so geht es weiter: Am Donnerstag und Freitag reden die Neu-Humboldtianer über das historische Berliner Schloss und seine künftige Aufgabe. Es geht jetzt los. Die Humboldt-Figuren vor der nach ihnen benannten Uni lächeln. Das Humboldt-Forum tritt heraus aus den Schatten, die es schon lange wirft.

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