Kultur : Zukunftsmusik

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

neue Formen von Hipness

Man werde sich auf den Geist des Jazz besinnen, hatte vor einigen Jahren der Londoner LabelChef, Radiomoderator und Club-DJ Gilles Peterson prognostiziert. Und da sind wir nun. Peterson gilt als Erfinder einer Tanzmusik namens Acid-Jazz, die mit viel Pop-Soul und Samples eine Zeit lang die einschlägigen Clubs beherrschte. Peterson weiß, dass der Name allein für die verwirrend war, die etwas Jazziges erwartet hatten. Befragt nach der Zukunft seiner Projekte, bemüht Peterson dennoch den Jazzbegriff, denn er verbindet damit Insiderness: Für die Sachen brennen, die man anschiebt.

Im oberbayrischen Städtchen Weilheim gibt es schon etwas länger einen anderen Gegenentwurf zur Langeweile der allzu berechenbaren Musikprodukte: das Tied & Tickled Trio . Gegründet von den beiden Schlagzeugern Markus Acher und Christoph Brandner, kam rasch der Jazzsaxofonist Johannes Enders hinzu. Für ihn war es am Anfang ungewohnt, nach einem Tape zu komponieren und Spuren zu bearbeiten, wo sonst die Live-Aufnahme jazz-üblich ist. Durch Enders Zutun – spärliche Linien, kleine Melodien, knappe Bläsersätze – kam etwas in den Rahmen, was die Musik offen macht für die Assoziationen mit den üblichen Masterminds. Erinnerungen an Sounds, die Herbie Hancock und Miles Davis in den Rock einführten, werden geschickt bemüht. Die neue CD „Observing Systems“ (Morr) ist das bislang beste Album der Band, zu sehen ist das Trio am Mittwoch im ColumbiaFritz (20.30 Uhr).

Dieser Herbst gehört den Piano-Trios: Von Jason Moran steht eine neue CD an, die beste Esbjörn-Svensson-CD, „Seven Days Of Falling“ (Act), ist soeben erschienen, und Jacky Terrasson eröffnet am Freitag die neue JazzNights-Runde. Seine aktuelle CD mit verführerischen Versionen von „Mo Better Blues“ und „Isn´t she lovely“ heißt „Smile“ (Blue Note), auch auf seiner Website „ www.terrasson.com “ kann man hören, was sein Trio so special macht. Beim JazzNights-Konzert am Freitag im RBB-Sendesaal singt auch Rigmor Gustafsson, die mit ihrer neuen CD „I will wait for you“ (Act) gerade Norah Jones von der Spitze der schwedischen Jazz-Charts verdrängt hat. Vor zwei Jahren trat Gustafsson beim Berliner JazzFest auf, das damals von dem Posaunisten Nils Landgren geleitet wurde. Landgren hat ihre CD produziert und begleitet sie jetzt.

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