Zum 70. von Geraldine Chaplin : "Ich liebe den Schatten meines Vaters"

Ihren Namen hat sie nie als Bürde empfunden, im Gegenteil. Mit Carlos Saura verband sie eine langjährige Künstler- und Liebespartnerschaft. Nun wird Geraldine Chaplin 70 Jahre alt.

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Großer Name, große Last? Nicht für Geraldine Chaplin.
Großer Name, große Last? Nicht für Geraldine Chaplin.Foto: dpa

Ist es eine Last, das Kind einer Hollywoodlegende zu sein? Geraldine Chaplin, die dieser Tage ihren 70. Geburtstag feiert, hat das immer wieder verneint. „Ich liebe den Schatten meines Vaters“, sagte sie. „Er hat mich beschützt, nicht eingeengt.“ Wo immer sie auftrat, habe man sie wegen dieses Namens freundlicher behandelt. Dabei war sie das Ergebnis einer Skandalbeziehung. Ihre Mutter Oona hatte Charlie Chaplin 1942 kennengelernt; sie war 17 und er 53. Eine Reihe von Hetzkampagnen – wegen seiner Vorliebe für deutlich jüngere Frauen und seiner Sympathien für den Kommunismus – trieben ihn ins Schweizer Exil, was sich für die 1944 geborene Geraldine als Vorteil erwies. Fernab von Hollywood genoss sie erstklassige europäische Bildung.

Als Ehefrau von „Doktor Schiwago“ (1965) gab sie ihr Filmdebüt, wenn man einen Kurzauftritt in ihres Vaters „Rampenlicht“ (1952) beiseitelässt. Vom herausragenden Kassenerfolg der Edelschnulze ließ sie sich nicht blenden, ihr Interesse galt dem unkommerziellen Autorenfilm. „Peppermint Frappé“ war der Beginn einer zwölfjährigen Partnerschaft mit Regisseur Carlos Saura in Spanien. Das Paar nutzte die Gunst der Stunde. Die Franco-Diktatur lag in den letzten Zügen, Zensuren wurden gelockert, vorsichtige Gesellschaftskritik war erlaubt. Auch am herkömmlichen Männer- und Frauenbild. Geraldine Chaplin präsentierte einen fürs spanische Kino völlig neuen, urbanen Frauentyp.

Andere bedeutende Regisseure wie Robert Altman oder Alain Resnais gaben ihr vor allem exzentrische Figuren zu spielen. Schließlich musste sie dasselbe durchmachen wie ihr Vater, wurde von der spanischen Regierung als angebliche Waffenhändlerin für die Eta verleumdet. Juristisch konnte man ihr nichts anhaben, sie zog trotzdem in die Schweiz. Der angespannte Gesichtsausdruck ihrer letzten Filme ist allerdings nicht Folge politischer Repression, sondern Langzeitwirkung von Ballettunterricht. Sie wirkt unglaublich konzentriert und drahtig, ein bisschen fanatisch. Ideal für Isabel Coixets Hochhaus-Thriller „Ein anderes Ich“ (deutscher Kinostart im Herbst). Geraldine Chaplin, deren Vater Millionen Menschen zum Lachen gebracht hat, zieht es als Künstlerin zum Abgründigen.

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