Zum Abschluss des Gallery Weekends : Kunst für alle

Das Gallery Weekend 2016 geht zu Ende und zeigt sich erneut als ein großartiges Event für die Stadt, dass auch bei internationalen Besuchern erfolgreich ist.

von
Blick in die Galerie Mehdi Chouakri Kunstwerke des Schweizer Künstlers Philippe Decrauzat beim Gallery Weekend Berlin.
Blick in die Galerie Mehdi Chouakri Kunstwerke des Schweizer Künstlers Philippe Decrauzat beim Gallery Weekend Berlin.Foto: Britta Pedersen/dpa

Was für ein Wochenende! Drei Tage lang hat Berlin zum Gallery Weekend gezeigt, dass es ein riesengroßes Kunstquartier sein kann. Wo immer man unterwegs war, ob rund um die Volksbühne oder auf der Potsdamer Straße, waren die Galerien – und in der Fasanenstraße auch die Schauräume der Auktionshäuser – voller Interessenten.

Auf 25 000 Besucher schätzen die Organisatoren den Strom. Darunter viel internationales Publikum, das sich aus Sammlern und Kuratoren speist, für die das letzte Wochenende im April als Berliner Termin fest gesetzt ist. Sie wissen, dass sich (nicht nur) die 54 offiziellen Weekend-Teilnehmer stets besondere Ausstellungen überlegen: entweder mit ihren Stars oder mit jungen Künstlern, die sie herausragend finden.

Natürlich sagen solche Zahlen wenig über den finanziellen Erfolg der Veranstaltung. Das Gallery Weekend begreift sich schließlich auch als Alternative zur herkömmlichen Kunstmesse und deshalb als Instrument für den Handel. Aber sie zeigen einmal mehr die Bereitschaft eines breiten Publikums, sich mit zeitgenössischer Malerei, Skulptur oder ganzen Rauminstallationen auseinanderzusetzen. Und das lange bevor diese Werke durch Museen geadelt werden und im Kanon ihrer Sammlungen aufgehen. In den Galerien ist man dicht am Prozess, vieles kommt direkt aus den Ateliers, und wer Glück hat, trifft vor Ort noch den Künstler oder auf kommunikative Galeristen, mit denen er über die Arbeiten reden kann.

Die Kulturpolitik trägt zur einzigartigen Vielfalt der Galerien bei

Rund 60 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind das Kapital der Berliner Galeristen. Sie fungieren als Labor, in dem die künstlerisch relevanten Positionen der Zukunft schon jetzt gezeigt und zur Disposition gestellt werden. Ohne Eintritt, niedrigschwellig, als visuelle Offerte. Darauf wies Werner Tammen als Vorsitzender des Landesverbandes der hiesigen Händler noch einmal hin, als er im Auswärtigen Amt ein neues „Artist in Residence“-Programm eröffnete. Künstler arbeiten in einer ungenutzten Halle auf dem Dach mit Blick über die ganze Stadt – in einem Hochsicherheitstrakt!

Unten machte am Samstag Kulturstaatssekretär Tim Renner seine dritte Tour durch am Weekend beteiligte Galerien, um sich unter anderem Fotografie von Jochen Lempert und Wolfgang Tillmans anzusehen. Und mitzunehmen, was ihm die Protagonisten der Szene sagen wollten. Denn die Kulturpolitik schafft nicht zuletzt jene Bedingungen, unter denen diese nach wie vor einzigartige Vielfalt der Galerien gedeiht.

Dass Kunst von Enthusiasten getragen wird, mag dabei wie ein Allgemeinplatz klingen. Es ist aber wichtig, zwischen all den Diskussionen um die Existenzbedingungen einer lebendigen Galerieszene daran zu erinnern. Auch das Gallery Weekend wird von einem Team verantwortet, das unbedingt ein Modell „made for Berlin“ schaffen wollte und dafür in den vergangenen zwölf Jahren hart gearbeitet hat. Das Ergebnis ist ein großartiges Event für die Stadt, mit sichtbaren Erfolgen wie den internationalen Besuchern. Und einem hoffentlich langfristigen Effekt, wie ihn die Mobilisierung so vieler Menschen verspricht: Unter ihnen könnten die Sammler von morgen sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar