Kultur : Zum Fressen gern

Rosa von Praunheims „Dein Herz in meinem Hirn“

Julian Hanich

Rosa von Praunheim hat schon viele Filme gedreht. Einige davon sind weniger schlecht als die anderen. „Dein Herz in meinem Hirn“ fällt nicht in diese Kategorie. Es geht um Achim und Peter. Achim ist arbeitsloser Lehrer und wohnt in Spandau. Peter ist vor allem eigenartig. Die beiden lernen sich übers Internet kennen. Sie kommen sich näher. Und näher. Bis der eine buchstäblich im Körper des anderen verschwindet. Peter bittet Achim nämlich, ihn zu töten und zu verspeisen. Dein Herz in meinem Darm, könnte man sagen. Klingt bekannt?

In der vergangenen Woche wurde die Aufführung des Films „Rohtenburg“ untersagt, weil der Angeklagte Armin Meiwes darin seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah. Auch Praunheim hat sich vom Fall des so genannten „Kannibalen von Rotenburg“ inspirieren lassen. Und auch sein Film soll vor Gericht geprüft werden – wobei der künstlerisch relevante Unterschied vor allem darin besteht, dass „Rohtenburg“ grotesk schlecht ist, während „Dein Herz in meinem Hirn“ so grotesk ist, dass einem schlecht werden könnte.

Es beginnt schon damit, dass die beiden Hauptdarsteller Martin Ontrop, den eine große physiognomische Nähe zu Mario Basler kennzeichnet, und Martin Molitor, der ansonsten durch einige Robustheit auffällt, in sämtliche Rollen zu schlüpfen haben. Dazu gehören unter anderem: Achims kranke Mutter (gespielt mit Dreitagebart), Achims Ex-Frau (gespielt mit Rapunzel-Perücke) sowie eine russische Nutte (gespielt mit unrasierten Achseln). Wobei der Film sich in seinen waghalsigsten Momenten dazu aufschwingt, die Ästhetik der „Lindenstraße“ herauszufordern. Weil das aber nie mit prätentiöser Geste, sondern häufig mit Augenzwinkern geschieht, darf man Praunheims fröhlichem Dilettantismus eigentlich nicht böse sein.

Dennoch eine Warnung zum Schluss: Bekanntlich gehören zu Praunheims Gesamtwerk Filme mit fleischlastigen Titeln wie „Die Bettwurst“, „Berliner Bettwurst“ und „Can I Be Your Bratwurst, Please?“. Mit seiner Neigung zu Naheinstellungen von Selbstkastrationen, Ausweidungen und Kopf-ab-Szenarien dürfte auch „Dein Herz in meinem Hirn“ für Visual-Veganer nur schwer genießbar sein. Zum justiziablen Skandal langt das allerdings noch lange nicht.

Hackesche Höfe

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