Kultur : Zum Glück gibt es Todd

ANDREAS CONRAD

Versessen auf Erfolg? Dann halte man sich an folgende Lebensregeln: "Niemals die Autorität in Frage stellen! Gewinnen ist alles! Stärke siegt über Wissen! Zeige keine Gnade!" Diese Überlebenstips, nachzulesen im Presseheft zu Paul Andersons Science-fiction-Film "Star Force Soldier", scheinen der modernen Arbeitswelt entnommen, und in der Tat geht es um die Bewältigung eines beruflichen Problems: Soldat Todd (Kurt Russell), seit frühester Kindheit aufs Töten gedrillt, mag in seiner Kriegerkaste einer der besten sein, die Wissenschaft ist doch stärker und hat einen nimmermüden Kampfroboter in Menschengestalt (Jason Scott Lee) kreiert. Gegenüber Kriegern der "Dolly"-Generation hat ein Veteran kaum eine Chance, seine Verbannung auf einen interstellaren Müllplatz erscheint da nur gerecht. Dort haben sich andere Müllmenschen ein postapokalyptisches Ökoparadies zusammengezimmert, das alsbald von den Kampfmaschinen bedroht wird. Zum Glück gibt es Todd.

Die Social-fiction-Story, optisch irgendwo zwischen "Mad Max", "Waterworld" und "Terminator", hätte trotz ihres schlichten Zuschnitts das Potential zu wirklicher Dramatik. Genaugenommen geht es um Mobbing, die Ablösung der älteren durch die jüngere Generation, die hier noch gründlich scheitert. Don Siegel hat mit "The Shootist" eine ähnliches Thema im Western-Szenario angesiedelt, Jahre später Clint Eastwood mit "Erbarmungslos". Ein nicht zufälliger Verweis, schließlich verfaßte "Soldier"-Drehbuchautor David Webb Peoples bereits das "Erbarmungslos"-Script und übrigens auch das zu "Blade Runner" und "12 Monkeys" - eine Spitzenkraft also. Die Charakterstudie des gealterten, doch weiterhin treffsicheren Helden, die dank des sublimen, selbstironischen Spiels von John Wayne und Clint Eastwood beide Western zu Meisterwerken ihrer Klasse machte, ist diesmal aber reichlich mißlungen. Gegenüber der Wortfaulheit von "Klapperschlange" Kurt Russell ist "Terminator" Arnold Schwarzenegger geradezu ein Plappermäulchen, und in der Mimik besitzt Todd den Variantenreichtum eines Nußknackers. Vermag man sich an den breit ausgemalten Metzeleien allein nicht zu ergötzen, tendiert das Interesse an diesem Kommißkopp schnell gegen Null. Und daß Killer Todd zum Schluß doch noch so etwas wie menschliche Gefühle entwickelt, ja sogar frohgemut einer Ersatzvaterschaft auf fernen Planeten entgegenschwebt, mag glauben, wer will.

Auf zwölf Berliner Leinwänden

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