Kultur : Zum grünen Kranze

Verhaltener Auftakt für den Berliner Auktionsherbst bei Lehr und Spik

Michaela Nolte

So optimistisch sich die Einlieferungsphase gestaltet hatte, so unmittelbar reagiert der Kunstmarkt auf Schwankungen der Wirtschaft. Das vor einigen Monaten noch waltende Prinzip Hoffnung hat sich im Auktionshaus Lehr zumindest im fünfstelligen Euro-Bereich nur bedingt erfüllt: Eduard Bargheers „Südliche Stadt“ erzielte gerade den unteren Schätzpreis von 15000 Euro, während Emil Schumacher und Ruprecht Geiger keinerlei Liebhaber fanden. Mit einem leichten Plus wurde eine Bronze von Georg Kolbe veräußert, die mit 16000 Euro denn auch die Spitze der Preisskala anführte. Weniger Anklang fanden Zeichnungen und Druckgrafik der Klassischen Moderne. Blätter von Karl Schmidt-Rottluff und Max Beckmann wurden erst im Nachverkauf zum Mindestpreis veräußert.

In niedrigeren Preissegmenten gab sich das Publikum im gut besuchten Saal dagegen überaus bieterfreudig und trieb jede Menge Lose mit dreistelligen Schätzpreisen kräftig in die Höhe. Allen voran ein Frühwerk des Berliners Paul Kuhfuss. Mit moderaten 600 Euro kam der 1903 genreartig aquarellierte „Hof im Krögel“ zum Aufruf und wurde von zwei Herren so lange umworben, bis der Kölner Sammler den Zuschlag bei 4400 Euro erhielt. Selbiger steigerte ein gleich eingestuftes Selbstbildnis Albert Schiestl-Ardings auf 3000 Euro. Die Erwartungen deutlich erfüllen konnten drei Ölbilder von Albert Ebert, dessen „Im Krug zum grünen Kranze“ (Taxe 6000 Euro) einen eigens aus Florenz angereisten Bieter bis 11000 Euro reizte. „Zurückhaltend sind momentan das Stammpublikum und die Händler; der Ausgleich verdankt sich rund 30 Prozent neuen Kunden durch das Internet“, so die Auktionatorin, die mit einem Bruttoumsatz von knapp 630000 Euro und 80 Prozent Verkaufsquote dennoch rundum zufrieden ist.

Auch bei Leo Spik war das Angebot der dreitägigen Herbststaffel, das insgesamt 15 Kategorien von Gemälden über Schmuck und Möbel bis zu Teppichen umfasste, mit 2500 Positionen überaus reichhaltig. Doch das Publikum setzte vor allem auf ausgefallene Stücke. Hohe Preisspannen bewilligten italienische Sammler für heimatliche Motive wie Carl-Wilhelm Götzloffs „Blick auf Neapel“ aus dem 18. Jahrhundert, das mit 47000 Euro die Schätzung nahezu verdoppeln konnte. Zwei Italien-Aquarelle des Österreichers Anton Romako kletterten von geschätzten 2500 auf 8500 respektive 14500 Euro. Zwar verbucht man allmählich steigende Zuschlagsquoten, aber angesichts des schwächelnden Mittelfeldes bleibt der Optimismus verhalten.

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