Kultur : Zum Heulen fern

Steve Martin und seine liebe Lustigkeitsnot im neuen „Rosaroten Panther“

Sebastian Handke

Zu den Pflichten eines Darstellers gehört mitunter auch die Verkörperung eines Betrunkenen. Es gibt dafür eine Grundregel: Spiele keinen Betrunken, sondern spiele jemanden, der so tut, als sei er NICHT betrunken! Dieser feine, aber erhebliche Unterschied gehörte zur komödiantischen Virtuosität des großen Peter Sellers. Den Inspektor Clouseau gab er nicht als Trottel, sondern als einen, der so tut, als sei er keiner. Das gab dieser Figur selbst in den schlechtesten Filmen der „Rosarote- Panther“-Reihe die tragische Dimension eines um seine Würde ringenden, unfreiwilligen Anarchisten. Dass es sich dabei um einen Polizisten handelte, also den natürlichen Feind der Anarchie, machte den Inspektor zu einer Ikone des Slapsticks.

Bis heute ist Sellers’ Verbindung von physischer Komik mit sensationellem Sprachwitz einzigartig geblieben. Der US-Komiker Steve Martin versuchte sich immer schon auf ähnlichem Terrain – es liegt also eine gewisse Folgerichtigkeit darin, dass er die Revitalisierung der eigenen Karriere mit jener des Panthers verbinden möchte, obwohl beide doch lange schon ausgespielt haben. Martin stakst mit durchgedrücktem Rücken, zusammengekniffenen Augen und aufgeklebtem Schnurrbart durch die Szenerie, macht Witze über Hamburger und Viagra, – vier aufrechte Lacher in 93 langen Minuten sind die magere Ausbeute. Dabei gehört Steve Martin zu jener Sorte Komiker, die offenbar fürchten, ihre Zuschauer zu enttäuschen, wenn nicht jede Szene einen Gag enthält – und so sieht man in diesem neuen „Rosaroten Panther“ vor allem eines: einen Komiker, der beständig versucht, komisch zu sein.

Die Handlung? Sie hat etwas mit einem auf offenem Feld von einem Giftpfeil hingestreckten Fußballtrainer zu tun und einem gestohlen Diamantring, dem Clouseau nach New York hinterherreist. Beyoncé Knowles in der Rolle der Xania ist mordverdächtig und darf ihre Stimme und ihr Dekolleté zur Aufführung bringen, Jean Reno liefert als Clouseaus geduldiger Assistent wie gewohnt Trockenes. Wirklich gelungen ist nur Clive Owens rasanter Gastauftritt als Bond-Karikatur (schade, dass er die Rolle dann doch nicht bekam). Sehr hübsch sind auch die traditionellen einführenden Titel-Animationen geraten. Aber was hilft’s, wenn das Beste vorbei ist, bevor der Film anfängt?

Der Rest ist das Recycling alter Witze. Nur die Hauptfigur selbst erfährt eine gewisse Veränderung, leider nicht zu ihrem Vorteil. Steve Martin gibt den Clouseau niedlich, unschuldig und knopfäugig, er will, dass der Flic vom Publikum geliebt wird. Statt um seine Würde ringt er nur mit falschen Vasen. Damit aber stutzt er den „Panther“ auf eine biedere Polizeiklamotte zurück, die es nicht einmal mit Leslie Nielsen („Die nackte Kanone“) aufnehmen kann und dessen unterschätzter Neuinterpretation des Polizistentrottels als hard-boiled-Kommissar. Wer zudem Robert Altmans „The Prairie Home Companion“ auf der Berlinale gesehen hat, der hätte durchaus einen Darsteller im Auge, dessen zwangloser Mix aus hohem Slapstick-Timing, blasierter Selbstüberschätzung und profunder Ahnungslosigkeit einen würdigen Clouseau hätten abgeben können. Doch zwischen Kevin Kline als Theatersicherheitschef bei Altman und Steve Martin als Clouseau liegen Welten – und dass Kevin Kline jetzt auch im Panther-Film anwesend (und völlig unterfordert) ist als Clouseaus Vorgesetzter Dreyfus, macht die Sache auch nicht besser.

Damit bleibt von diesem „Panther“-Remake etwa so viel wie vom einzigen Gag, der auf Steve Martins eigenem Mist gewachsen zu sein scheint: ein Furz in einer schalldichten Kabine.

In 20 Berliner Kinos; Originalversion im Cinestar Sony-Center

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