Kultur : Zum Stirnrunzeln

DOMENICA FRIEDEL

Drei Schauspieler kommen auf die Bühne, setzen sich dicht am Publikum auf weiße Styropor-Würfel und beginnen zu denken.Wie man das erkennt? Ganz einfach: Daran, daß sie eine typische Denkerpose einnehmen - Ellbogen aufs Knie und Kinn auf die Hand gestützt.Und dazu angestrengt die Stirne runzeln oder verkrampft die Lippen aneinander pressen.Zugegeben, nicht nur diese Szene ist leichter verständlich, wenn man vorher weiß, worum es in "Strom" gehen soll.Die jüngste Produktion der Berliner Theatergruppe ex machinis, die am Freitag im Kule-Theater (Auguststraße 10, bis 11.Oktober jeweils freitags bis sonntags 21 Uhr, Tel.: 283 90-860) Premiere hatte, handelt vom Denken.Eine Form von Theater also, die sich der Handlung verweigert und sich stattdessen der Zeit vor derselben widmet: der Zeit des Bedenkens, der Entscheidungsfindung.Klingt etwas kopflastig und spröde und ist es mitunter auch.Etwa, wenn ein Schauspieler langsam eine Kreide-Linie entlangschreitet, während er eine hochtheoretische Abhandlung über den Zusammenhang von Sprache und Denken vorträgt.Mitunter ist das Stück aber auch spaßig bis originell.Zum Beispiel, wenn eine Schauspielerin vom Zuschauerraum aus den anderen per Mikrophon absurde Befehle erteilt, denen Folge zu leisten sich jene verzweifelt bemühen: Person drei etwa solle sich "anmutig bewegen", ein Kommando, das verhältnismäßig einfach auszuführen ist, verglichen mit der Aufforderung an Person fünf, die mit einem Kuvert voll Hirsekörnern eine "sinnvolle Arbeit" verrichten soll.Oder wenn die Schauspieler nacheinander auf die Bühne gelaufen kommen, um dem Zuschauer die erstaunlichsten Behauptungen an den Kopf zu werfen, diese mit einer Bodybuildingpose gleichsam zu untermauern und wieder kehrt zu machen: Etwa, daß Menschen erwiesenermaßen am entspanntesten mit ihren Haustieren seien, am unentspanntesten mit ihren Partnern.

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