Zum Tod der Sammlerin Moi Soltek : Die guten Geister bleiben

Den Anfang ihrer Kollektion machten zwei Grafiken von Gerhard Richter und Sigmar Polke. Nun ist die Sammlerin und Kunstenthusiastin Moi Soltek nach schwerer Krankheit mit nur 53 Jahren gestorben.

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Moi Soltek.
Moi Soltek.Foto: privat

Als der Salon Dahlmann 2012 Berliner Sammler einlud, sich mit einem Schlüsselwerk an der Ausstellung „The Moment I became a Collector“ zu beteiligen, war auch Moi Soltek dabei. Für sie lag der „Moment“ schon eine Weile zurück. Überraschend geerbte 20 000 Mark hatten es ihr als 25-Jähriger ermöglicht, eine Polke- und eine Richter-Grafik zu erwerben. Es war der Beginn einer sehr bewusst angelegten Kollektion. Die gebürtige Kölnerin galt zeitlebens als junge Sammlerin, womit eher ihre Neugier auf Neues als das Alter ihrer Kollektion gemeint war. Zudem befand sich Solteks Sammlung mitten im gelebten Leben, im Alltag mit ihren drei Kindern. Da konnte auch schon mal eine der drei kniehohen Alu-Skulpturen „Gute Geister“ von Thomas Schütte von einem Ball oder einem Bobbycar in Mitleidenschaft gezogen werden. Als Mutter wie als Sammlerin nahm Soltek das gelassen hin, und ebenso der Künstler, der sie einmal fragte: „Sind Sie diejenige mit den Kindern?“

Im Salon Dahlmann war die studierte Kommunikationsdesignerin und langjährige Artdirektorin bei den Werbeagenturen Springer & Jacoby, Jung von Matt, Scholz & Friends dann aber weder mit den Grafiken der ersten Stunde noch den Schütte-Skulpturen beteiligt, sondern mit zwei Zeichnungen von Rosemarie Trockel, die sie im Köln der achtziger Jahre kennengelernt hatte. Für Soltek gehörte das Gespräch, die direkte Auseinandersetzung mit den Künstlern zum Sammeln dazu. Ob Fred Tomaselli, Sarah Lucas, Tracey Emin, Magnus von Plessen, Nicola Torke, Michel François, Thomas Scheibitz – immer suchte die Sammlerin den persönlichen Kontakt.

Die Lust an der Begegnung

Diese Lust an der konkreten Begegnung, am Austausch vor dem Werk kam auch der Graphischen Gesellschaft zu Berlin zugute, dem 1994 gegründeten Förderverein des Kupferstichkabinetts, dessen Vorsitzende Moi Soltek zuletzt war. Dort initiierte sie zusammen mit Albrecht Kastein und Hubertus Butin regelmäßig Gesprächsabende, unter anderem mit dem belgischen Maler Luc Tuymans, von dem sie das Ölbild „Die blaue Eiche“ besitzt. Zu den Erwerbungen, die Soltek mithilfe des Fördervereins für das Kupferstichkabinett tätigen konnte, gehören Werke von Thomas Schütte und Karin Sander.

Zugleich war Moi Soltek beim Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI engagiert: im Gremium Bildende Kunst sowie als Jurorin, die jährlich die Gewinner des Ars-Viva-Preises unter Nachwuchskünstlern mit auswählte. Am Dienstag ist Moi Soltek im Kreis ihrer Familie nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Sie wurde 53 Jahre alt.

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