Zum Tod der Schauspielerin Bärbel Bolle : Sie hatte den Berliner Ton

Kleine Frau, großes Organ: die Schauspielerin Bärbel Bolle ist mit 73 Jahren in Berlin gestorben.

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Bärbel Bolle an der Berliner Volksbühne. Foto: Thomas Aurin
Bärbel Bolle an der Berliner Volksbühne.Foto: Thomas Aurin

Sie war dabei, als Frank Castorf mit „Paris Paris“ nach Bulgakow und Ibsens „John Gabriel Borkman“ die vielleicht besten Stücke zur Wende inszenierte. Das war 1989 und 1990 am Deutschen Theater Berlin. Dort hatte sie Anfang der Sechzigerjahre auch die großen Jahre des Regisseurs und Intendanten Wolfgang Langhoff erlebt; damals spielte sie in „Die Sorgen und die Macht“ von Peter Hacks. Bärbel Bolle, geboren in Parchim, hatte den Berliner Ton: scharf, klar, erdiger Humor, brechtisch-dialektisch geschult. Kleine Frau, großes Organ. In der DDR war sie in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Ihr Sound, ihr Auftreten – da war immer das Aufmüpfige, die Selbstbehauptung, auch etwas Bedrohliches. Und Herzwärme strahlte sie aus. Es war dann wieder Frank Castorf, der sie 2009 zur Volksbühne holte. Zuletzt besetzte er Bärbel Bolle in seiner Inszenierung „Kaputt“ nach Curzio Malaparte. Auch René Pollesch fand an ihrer knorrigen Berliner Art Gefallen, sie spielte in seinem „House for Sale“. Am 21. März ist Bärbel Bolle mit 73 Jahren in Berlin gestorben.

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