Zum Tod des Cellisten Heinrich Schiff : Beethoven war sein Fixstern

Sein Instrument war die Mara, eine der kostbarsten Stradivaris der Welt. Nun ist der leidenschaftliche Cellist und Dirigent Heinrich Schiff in Wien gestorben.

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Der österreichische Cellist und Dirigent Heinrich Schiff, 18. November 1951 - 23.12. 2016.
Der österreichische Cellist und Dirigent Heinrich Schiff, 18. November 1951 - 23.12. 2016.Foto: dpa

Er war ein zutiefst leidenschaftlicher Musiker - und es ist kein Wunder, dass Beethoven dabei stets sein Fixstern blieb. Mit ihm bestritt Heinrich Schiff auch sein letztes Konzert als Cellist, am 25. April 2010 im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses. Auf dem Programm: Beethoven, die Werke für Cello und Klavier. Die Schulter schmerzte, der Arm wollte sich nicht mehr bewegen lassen. Schiff hatte es ignoriert solange es eben ging. Offiziell trat er erst 2012 als Cellist ab, doch nach dem Wiener Konzert hat er kein Cello mehr auf einem Podium angerührt. Seine traumhaft-vertraute Partnerin, das Stradivari-Cello mit dem Namen Mara aus dem Jahr 1711, war einst in den Fluten des Rio de la Plata versunken, bevor sein Weg es zu Heinrich Schiff geführt hatte. Auch die "Sleeping Beauty" hat er gespielt, eine Montagnana von 1739.

Am 18. November 1951 wurde er in Gmunden geboren, beide Eltern waren Komponisten. Nach dem Klavier erlernte der Junge das Cello, wurde ein Meister des körperlichen, plastischen Musizierens. So machte er sich nicht nur mit der sinnlich-eindrücklichen Interpretation von Bach Cello-Suiten einen Namen, sondern Komponisten wie Witold Lutoslawski, Hans Werner Henze, Ernst Krenek, Wolfgang Rihm und Friedrich Gulda schrieben Werke für ihn, die er zur Uraufführung brachte.

Heinrich Schiff starb in der Nacht zum 23. Dezember in Wien.
Heinrich Schiff starb in der Nacht zum 23. Dezember in Wien.Foto: Imago

Nach dem erzwungenen Aus für den Solisten ergriff Schiff einmal mehr den Taktstock, schon zuvor hatte er sich auch international als Dirigent betätigt, sei es beim Los Angeles Philharmonic oder der Sächsischen Staatskapelle.

Nach seinen Aus als Cellist stand Heinrich Schiff am Pult zahlreicher Orchester

Immer mit vollem Einsatz, nicht immer mit Fortune. Sein "Fidelio" war 2002 spektakulär an der Deutschen Oper in Berlin gescheitert. Doch er kam wieder, leitete des Orchester der Komischen Oper und 2010 bei Young Euro Classic das Festivalorchester Südosteuropa , das junge Musiker aus Ex-Jugoslawien, deren Väter vielleicht noch aufeinander geschossen haben, zu einem Klangkörper zusammenschweißte. Eine Herzensangelegenheit aufs Neue, natürlich mit Beethoven auf den Pulten. In der Nacht zum 23. Dezember ist Heinrich Schiff nach langer Krankheit in Wien gestorben, er wurde 65 Jahre alt.

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