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Zum Tod des Clowns Oleg Popow : Im Himmel wird es fröhlicher

Der Russe Oleg Popow galt jahrzehntelang als bester Clown der Welt – jetzt ist er bei einer Tournee im Alter von 86 Jahren gestorben

Oleg Popow
Er brachte die Massen zum Lachen. Oleg Popow 2010 bei einer Show in Den Haag.Foto: AFP / Anoek de Groot

Während in den Tagen vor Halloween „Horrorclowns“ mancherorts für Angst und Schrecken sorgten, ist es in den vergangenen Jahren um die freundlichen Vertreter der Zunft still geworden. Die Könige der Clowns, etwa der Schweizer Grock oder der Spanier Charlie Rivel, sind schon lange tot. Nun ist ihnen auch Oleg Popow nachgefolgt. Die wohl letzte große Ikone der Zunft starb laut russischen Agenturberichten am Mittwochabend während einer Tournee in Rostow am Don. Popow wurde 86 Jahre alt.

„Ein Clown sollte in erster Linie ein guter Mensch sein – sympathisch und optimistisch“, sagte Popow einst. „Es gibt viele Menschen, die glauben, dass Clownsein einfach ist. Aber lediglich eine rote Nase aufzusetzen und lustig zu sein – so einfach ist es nicht“, sagte er 2013. „Um gut zu sein, muss man so arbeiten, als ob man die Dornen einer Rose anfasst.“

Popow wusste, wovon er sprach, denn sein Leben begann nicht als das eines Spaßmachers. Geboren am 31. Juli 1930 in der Ortschaft Wyrubowo bei Moskau, verliert er früh seinen Vater. Der Uhrmacher wird 1941 wegen angeblicher „Missachtung“ von Sowjetdiktator Josef Stalin verhaftet und stirbt im Gefängnis. Nach einer vom Mangel in Weltkriegszeiten geprägten Kindheit beginnt Popow eine Schlosserlehre. Als er mit einem Auftritt bei einer Sportveranstaltung auf sich aufmerksam macht, bekommt er überraschend einen Platz in einer renommierten Artisten-Schule. Mit Mitte 20 erhält er ein Engagement beim Moskauer Staatszirkus. Schnell feierten Zuschauer und Presse den Pantomimen, Seiltänzer und Jongleur. Kurz nach seinen ersten Auftritten, Anfang 1959, widmete ihm der „Spiegel“ eine Titelgeschichte.

In seiner Heimat Russland war Oleg Popow ein Star

Schon damals galt Popow als „der Welt bester Clown“, der sich kaum in die hergebrachten Gruppen von Spaßmachern eingruppieren ließ. Popow, schrieb der „Spiegel“, biete „neue Verwandlungen des ewigen Spaßmachers“. 1969 wurde er als „Volkskünstler der Sowjetunion“ ausgezeichnet, 1982 erhielt er den „Goldenen Clown“ beim Internationalen Zirkusfestival von Monte Carlo, so etwas wie den Oscar der Zirkuswelt. Der Künstler trat stets im selben Kostüm auf: mit karierter Mütze, schwarzem Samtjackett, schwarz-rot gestreifter Hose, spitzen roten Schuhen und nur wenig Schminke. In seiner Heimat war Popow ein Star; zum 80. Geburtstag gratulierten ihm der russische Präsident Wladimir Putin und Kremlchef Dmitri Medwedew.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war Popow nach Deutschland gezogen und lebte zuletzt mit seiner zweiten Ehefrau Gabriela, einer Deutschen, die 32 Jahre jünger war als er, in Egloffstein bei Nürnberg. Mit der deutschen Sprache tat er sich nach eigenem Bekunden schwer, liebte aber die traditionelle Küche wie Eisbein mit Sauerkraut.

Bei seiner Arbeit spielte Sprache keine Rolle – Popow setzte stattdessen auf Gesten. „Es kommt überhaupt nicht gut an, wenn man versucht, russische Witze einfach ins Deutsche zu übersetzen“, erklärte er einmal. Der pantomimische Humor etwa eines Charlie Chaplin sei dagegen auf der ganzen Welt verständlich.

Über die nicht zuletzt durch dumpfe Scherzbolde in gruseligen Kostümen befeuerte Angst vor Clowns äußerte sich Popow ähnlich besorgt wie andere Zirkusvertreter auch. Ein Clown brauche auch drei Dinge, sagte er: „Den Geist eines Schriftstellers, das Herz eines Dichters und den Körper eines Athleten.“ Diesen Dreiklang mit Leben zu füllen, machte sich Popow stets zur Aufgabe und knüpfte damit an uralte Traditionen an. Schon indianische Kulturen kannten entsprechende Figuren; Schamanen, die als Mittler zwischen dem eigenen Stamm und den Gottheiten galten – oder Schelme, die mit Provokationen für befreiendes Gelächter sorgten. Diese beiden Elemente vereinen die Clowns und Narren aller Kulturkreise in sich. Oleg Popow blieb seiner Berufung bis zuletzt treu.

Noch 2011 bekräftige er in einem Interview: „Wenn ich noch mal von vorn anfangen müsste, würde ich wieder Clown werden.“ (KNA/dpa)

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