Zum Tod des Dirigenten Jeffrey Tate : Mut, Humor und Stil

Der britische Dirigent Jeffrey Tate war ein ganz besonderer Maestro. Nun ist er mit 74 Jahren in Italien einem Herzinfarkt erlegen.

Sir Jeffrey Tate: Erst im April war der Chefdirigent der Hamburger Symphoniker im Buckingham Palace zum Ritter geschlagen worden.
Sir Jeffrey Tate: Erst im April war der Chefdirigent der Hamburger Symphoniker im Buckingham Palace zum Ritter geschlagen worden.Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

„Keep calm and carry on!“ Nach diesem urbritischen Motto hat Jeffrey Tate sein Leben gelebt, privat wie künstlerisch: mit einer bewundernswerten Mischung aus Mut und Humor, als Gentleman im nobelsten Sinne des Wortes. Schwer behindert war er 1943 in Salisbuy zur Welt gekommen, musste als Kind im Rollstuhl sitzen, lernte aber nach mehreren Operationen, sowohl mit seiner massiven Wirbelsäulenverkrümmung wie auch mit seiner Fußlähmung umzugehen.

Nach einem Medizinstudium in Cambridge praktizierte Jeffrey Tate zunächst zwei Jahre lang als Augenarzt, bevor er sich dann doch für seine größte Leidenschaft entschied und Musik studierte. Er wurde stark geprägt durch seine Lehrzeit bei Herbert von Karajan, assistierte 1976 Pierre Boulez beim Bayreuther „Jahrhundert-Ring“ unter Regie von Patrice Chéreau und machte dann eine beeindruckende Dirigentenkarriere, mit leitenden Positionen am Teatro San Carlo in Neapel, in Rotterdam sowie, ab 2009, bei den Hamburger Symphonikern.

2014 dirigierte Jeffrey Tate den "Ring" an der Wiener Staatsoper

Vor allem das deutsche Repertoire lag ihm am Herzen, Mozart wünschte er sich leicht und tänzerisch, durchaus auch im Geist der historischen Aufführungspraxis gespielt. Mit dem English Chamber Orchestra hat er alle Sinfonien Mozarts eingespielt, mit der Pianistin Mitsuko Uchida sämtliche Klavierkonzerte. Intensiv beschäftigte er sich auch mit den romantischen und spätromantischen Komponisten, vor allem mit den beiden Richards, Strauss und Wagner. Als später Debütant an der Wiener Staatsoper dirigiert er 2014 den „Ring“ und erfüllte sich damit einen Lebenstraum. Noch im vergangenen Winter hatte Tate eine Aufführungsserie von Strauss' „Salome“ an der Deutschen Oper Berlin geleitet.

Tates Ehemann Kuhlemann managte den Alltag zwischen London, Detmold und den Musikmetropolen

Möglich wurde diese intensive, internationale Karriere durch Tates Lebenspartner und Ehemann seit 2010, den deutschen Wissenschaftler Klaus Kuhlemann, der über Jahrzehnte den Alltag des Paares managte, zwischen den Wohnsitzen in London und Detmold sowie den Musikmetropolen weltweit. Im Alter von 74 Jahren ist Jeffrey Tate am Freitag in Italien gestorben. Beim Besuch des Museums Accademia Carrara in Bergamo erlitt er einen tödlichen Herzinfarkt.

„Seine Musik hat die Welt zu einer besseren gemacht," teilten die tief betroffenen Hamburger Symphoniker am Freitag mit. Tate habe das Orchester wie kein anderer geformt. "Für die Stunden, Tage und Jahre, die wir mit Sir Jeffrey verbringen durften, sind wir unendlich und unsagbar dankbar.“ (mit dpa)

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