Kultur : Zum Tod von Brian Moore

GREGOR DOTZAUER

Er war zu vielseitig, als daß sein Name zu einem ähnlichen Markenzeichen hätte werden können wie der einiger Kollegen.Der neue Le Carré.Der neue Forsyth.Soweit hat er es nie gebracht, und vermutlich hat er sich selbst damit den größten Gefallen getan.Der neue Brian Moore war immer eine Überraschung - ob er mehr dem Thriller zuneigte, dem historischen Roman oder dem stillen Gesellschaftsdrama.Auch als Staatsbürger ließ er sich nicht festlegen.Brian Moore kam am 25.August 1925 als Nordire in Belfast zur Welt, aber er flüchtete vor dem Inseldasein und seinem autoritären Vater, besaß seit 1948 einen kanadischen Paß und lebte seit dreißig Jahren im kalifornischen Malibu.

Nur Katholik war er durch und durch, und er blieb es, auch als er zur Amtskirche längst auf Abstand gegangen war und mit dem Glauben zu hadern anfing.Fast alle seine Bücher (bis heute sind 18 Bände in deutscher Übersetzung bei Diogenes erschienen) haben einen Hang zum moralischen Rigorismus, der jedoch von Moores fließender Erzählkunst verdeckt wird.Schuld und Sühne, Rebellion gegen falsche Autorität und Gerechtigkeit sind die Themen seiner Bücher, die sowohl in die französische Welt eines Paul Claudel oder Georges Bernanos passen wie in die angelsächsische eines Graham Greene, der in Moore früh einen Seelenverwandten entdeckte."Katholiken" galt ihm als dessen bestes Buch.

Der literarische Durchbruch gelang Moore mit seinem Roman "Die einsame Passion der Judith Hearne" (1956), dem Porträt einer alleinstehenden Frau in mittleren Jahren, die in einer Belfaster Pension auf die Erlösung durch die Liebe wartet.Als Drehbuchautor wurde er mit Alfred Hitchcocks Agenten-Thriller "Der zerrissene Vorhang" bekannt.In letzter Zeit machte er vor allem durch den Politkrimi "Hetzjagd" auf sich aufmerksam: einer Art verschlüsselten Biographie des Vichy-Kriegsverbrechers Maurice Papon.

Erst im Herbst ist sein jüngstes Buch "Die Frau des Zauberers" auf deutsch erschienen, eine Reise in das Algerien Mitte des vergangenen Jahrhunderts von höchster Aktualität - und ein Beweis für sein Talent, sich besonders in komplexe Frauengestalten hineinzuversetzen.Am Montag ist Brian Moore in Malibu gestorben.

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