Zum Tod von Hans Hillmann : Der Träumer

Hans Hillmann prägte die deutsche Plakatkunst wie kein Zweiter. Er verstand es inhaltliche wie stilistische Elemente eines Films zu visualisieren. Der Grafiker starb am 4. Mai 88-jährig in seinem Frankfurter Atelier.

Anita Kühnel
Hans Hillmanns Filmplakat „Sturm über Asien“ aus dem Jahr 1961.
Hans Hillmanns Filmplakat „Sturm über Asien“ aus dem Jahr 1961.Foto: Kunstbibliothek Berlin

Er gilt als Begründer des modernen deutschen Filmplakats. Wie kein Zweiter verhalf Hans Hillmann der deutschen Plakatkunst zu internationalem Ansehen. Der gebürtige Niederschlesier studierte nach der Entlassung aus der britischen Kriegsgefangenschaft an der Staatlichen Werkakademie in Kassel, wo er später selbst als Professor für Grafik lehrte. Wie fruchtbringend Hillmanns Lehrtätigkeit war, ist in seinem bereits 1979 gemeinsam mit seinem Schüler Gunter Rambow herausgegebenem Buch: „Ein Plakat ist eine Fläche, die ins Auge springt“ zu sehen. Die Kasseler Schule wurde zum Qualitätsbegriff. Mit seinen Filmplakaten „Sturm über Asien“ von 1961, „Amore“ von 1962, „Panzerkreuzer Potemkin“ von 1967 oder „Der Malteser Falke“ von 1972 schuf Hans Hillmann Klassiker. Für anspruchsvolle Filmkunst fand er kongeniale Plakatlösungen, die anders als beliebige Starplakate wesentliche inhaltliche wie auch stilistische Momente des Films visualisieren.

Hans Hillmann verstand sich nie allein als Plakatgrafiker. Er war auch passionierter Zeichner. Das Komische und Absonderliche interessierte ihn ebenso wie das Hintergründige und Tragische, das Absurde wie das Geheimnisvolle. Seit den späten 1950er Jahren arbeitete er als Illustrator für die Studentenzeitschrift „Diskus“, für die legendäre Zeitschrift „Twen“ und für das „Frankfurter Allgemeine Magazin“. Seit 1970 sind seine Autorenbücher „ich hab geträumt ich wär ein hund der träumt“, „ABC-Geschichten“ und „Fliegenpapier" erschienen. Sie standen im Mittelpunkt der Ausstellung in der Berliner Kunstbibliothek, die ihn 2011 zusammen mit Zeichner Jiři Šalamoun vorstellte. Noch im gleichen Jahr erhielt die Kunstbibliothek, die nahezu vollständig sein Plakatwerk besitzt, eine umfangreiche Schenkung seiner Zeichnungen, darunter mehr als 100 Aquarelle, die für sein wohl berühmtestes Buch „Das Fliegenpapier“ entstanden sind. Am 4. Mai verstarb Hillmann 88-jährig in seinem Frankfurter Atelier.

Anita Kühnel betreut die Sammlung Grafikdesign der Berliner Kunstbibliothek.

 

 

 

 

 

 

 

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