Zum Tod von K. R. H. Sonderborg : Auf der Klinge

Er wurde als Kurt Rudolf Hoffmann im dänischen Sønderborg geboren. Seine Werke waren geprägt von der Kunstrichtung "Informel". Ein Nachruf zum Tod des Malers K. R. H. Sonderborg.

Christiane Meixner

In den achtziger Jahren hat er sich selbst gefragt, ob sein Werk tatsächlich zur informellen Kunst gehört. Wer sich die Bilder von K. R. H. Sonderborg anschaut, der ahnt, dass diese Zuordnung des wichtigen deutschen Nachkriegsmalers mehr der Versuch einer Kategorisierung ist, weil die Kunstgeschichte Einordnung braucht. Sonderborg, 1923 in Dänemark als Karl Rudolf Hoffmann geboren, war Mitglied der Gruppe ZEN 49, zu der auch Willi Baumeister oder die Bildhauerin Brigitte Meier-Denninghoff gehörten. Dennoch galt er schnell als informeller Künstler, dessen Motive gestisch und ohne Bezug zur konkreten Wirklichkeit blieben. So stand Sonnderborg in einer Reihe mit den großen Abstrakten der Nachkriegszeit: Fred Thieler, Emil Schumacher, Hann Trier und K. O. Götz.

Sonderborgs vorwiegend schwarzweiße Bilder wurzelten allerdings ebenso sehr im späten Expressionismus. Später dann zeigten sie die sichtbare Welt in Form von Maschinengewehren und elektrischen Stühlen. Da war Sonderborg längst Professor für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und hatte sich von der politischen Atmospähre der sechziger Jahre mitnehmen lassen. Im Spätwerk wirken die Motive wieder wie abstrakte, überdimensionale Kalligrafie.

Geräte wie Schaber, Rasierklingen oder Scheibenwischer dienten K. R. H. Sonderborg als malerische Instrumente. Rhythmus und Dynamik versuchte er den dicken Farbschichten abzutrotzen, die sich als Netze und schwarzen Bögen über seine Bilder legten. Damit besetzt der Künstler, der am Montag im Alter von 84 Jahren in einem Hamburger Krankenhaus verstorben ist, in der Kunst des 20. Jahrhunderts einen eigenen Platz, der mit Informel nur unzulänglich beschrieben ist. Christiane Meixner

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