Zum Tod von Natalie Cole : Leben im Duett

Sie wollte eigentlich etwas anderes machen - und wurde dann doch singende Tochter eines singenden Vaters. Natalie Coles Karriere war trotzdem groß.

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Höhen und Tiefen. Die Sängerin Natalie Cole, hier 2003, starb Silvester.
Höhen und Tiefen. Die Sängerin Natalie Cole, hier 2003, starb Silvester.Foto: dpa

Es sind nicht unbedingt die glücklichsten Künstlerleben, die an ihrem Ende auf einen Hit reduziert werden. Und es sind nicht unbedingt die glücklichsten Künstlerleben, über denen bis zum Tod und darüber hinaus der Schatten eines Übervaters liegt, schlimmstenfalls eines leiblichen, aktiv in der gleichen Branche.

So gesehen ergibt alles Sinn, was dieser Tage über Natalie Cole zu lesen ist, in den Überschriften der Onlinemedien, deren Aufgabe es ja ist, schnell zu orientieren: Die „Unforgettable“-Sängerin sei gestorben. Weiter dann Näheres zu diesem Duett, das sie 1991 gemeinsam mit einer Aufnahme ihres bereits 1965 verstorbenen Vaters Nat King Cole sang – und das mit dem Studioalbum „Unforgettable … with Love“ ihr größter Erfolg wurde. Hernach noch einiges über vielfältige Drogensüchte einer Frau, die nach abgebrochenem Medizinstudium und Ausbildung zur Kinderpsychologin doch noch im Metier des Vaters landete, dem die junge Natalie eigentlich den Rücken kehren wollte.

Freilich lässt sich diese Geschichte auch ganz anders lesen und vor allem hören: Dann ist es die Geschichte einer begnadeten Sängerin, der eigentlich wenig anderes übrig blieb, als mit ihrem Talent erfolgreich zu sein. Und zwar auf ihre Art! Denn was sie da Anfang der 1970er mit ihrer Band Black Magic – hier sang sie zunächst nur auf Drängen eines Freundes – performte, begeisterte nicht die, die in ihr die „Tochter von“ sahen. Kein Jazz, stattdessen R ’n’ B und Rock, nicht nach Art des Vaters, sondern orientiert an Aretha Franklin und Janis Joplin. Das erste eigene Album, „Inseparable“, war 1975 geprägt von diesen unväterlichen Einflüssen. Es wurde ein Erfolg und Grundstein für eine Karriere mit zahlreichen Chartplatzierungen und insgesamt neun Grammys. Letzter Höhepunkt: die Nominierung des Albums „Natalie Cole en Español“ für den Latin Grammy im Jahr 2013. Zuvor hatte sich Cole wegen ihrer Drogenvergangenheit und einer Hepatitiserkrankung einer Nierentransplantation unterziehen müssen – die Spenderniere kam von einem Fan mit Wurzeln in El Salvador.

Zuletzt ging es Natalie Cole wieder schlechter, Konzerte fielen aus. Am 31. Dezember versagte ihr Herz.


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