Zum Tod von Paula Fox : Die Kraft ernster Wörter

Die US-amerikanische Schriftstellerin Paula Fox ist im Alter von 93 Jahren in New York gestorben. Ein Nachruf auf die Roman- und Kinderbuchautorin.

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Die Schriftstellerin Paula Fox (1923-2017). Foto: imago/ZUMA Press
Die Schriftstellerin Paula Fox (1923-2017).Foto: imago/ZUMA Press

Als Jonathan Franzen 1991 „Desperate Characters“ in die Hände fiel, ein Roman der zu diesem Zeitpunkt vergessenen Schriftstellerin Paula Fox, sollten sich ihrer beider Karrieren entscheidend verändern. Franzen verarbeitete gerade das Ende seiner Ehe und erkannte in Fox’ Roman über eine unmerklich zerbröselnde Ehe vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Veränderungen der sechziger Jahre, dass die literarische Nachbildung individueller Krisen etwas Universelles hat, sie die Welt in ihrer ganzen Komplexität zeigen kann.

Franzen begann dann mit der Arbeit an „Die Korrekturen“ – und bekannte ein paar Jahre später in einem Essay, wie sehr ihn Paula Fox beeinflusst habe und ihr 1970 erschienener und mit Shirley MacLaine in der Hauptrolle auch verfilmter Roman mindestens so hoch zu bewerten sei wie John Updikes „Rabbit“-Tetralogie. Woraufhin Fox’ Bücher wieder aufgelegt, entdeckt und gefeiert wurden – auch in Deutschland, wo „Desperate Characters“ im Jahr 2000 unter dem Titel „Was am Ende bleibt“ erschien.

Es kennzeichnet das zu Beginn sehr unstete Leben der 1923 in Manhattan geborenen Fox, dass sie oft Menschen begegnete, die ihr ein Mindestmaß an Halt und Geborgenheit gaben. Ein Pfarrer holte sie aus dem Waisenhaus, in das sie ihre Eltern, der Schriftsteller Paul Hervey Fox und seine Frau Elsie, gleich nach ihrer Geburt brachten. Dieser Elwood Amos Corning brachte ihr zudem die Literatur nahe und, wie Fox es in ihrer Autobiografie „In fremden Kleidern“ formuliert hat, „dass alles zählte und dass ein in allem Ernst gesprochenes Wort eine geheimnisvolle Kraft enthielt, die Gedanken und Gefühle erwecken konnte, im Sprechenden wie im Zuhörer.“

Menschenfreundlichkeit und Nüchternheit

Als junge Frau, die zwischen den USA, Kuba, Kanada und Europa hin und her trieb und selbst ihr erstes Kind zur Adoption freigeben sollte, lernte sie dann in New Orleans das Schriftstellerpaar Mary King und Pat O’Donnell kennen. Dieses brachte ihr „die dauerhafte Anteilnahme an allen Lebewesen“ bei, vermittelt durch „ihre Menschenfreundlichkeit, ihre Nüchternheit, die Ernsthaftigkeit, mit der sie arbeiteten, ihre einladende Liebenswürdigkeit“.

All das findet sich auch in den Kinderbüchern und Romanen von Fox wieder, obwohl – oder gerade weil – diese bevölkert sind von unsicheren, labilen Menschen, die sich selbst ein Rätsel bleiben, die die Fragilität, das Unplanbare des Lebens am eigenen Leib erfahren. Etwa die 17-jährige Annie in dem Bildungsroman „Kalifornische Jahre“, die „das Unverständnis ihrer selbst, das ihr Wesen ausmacht“ ergründen will. Oder Laura, die in dem Mehrgenerationen-Roman „Lauras Schweigen“ zu der Erkenntnis kommt: „Familien halten ihre Mitglieder im eisernen Griff von Definitionen. Man muss den Griff brechen, irgendwie.“

Starke, nachhallende Sätze

Es gibt viele solcher toller, nachhallender Sätze im Werk von Fox, so wie auch dieser aus „In fremden Kleidern“ über die Einsamkeit der kleinen Paula: „Über Stunden hinweg war niemand da, der meinen Namen sagte.“ Die erwachsene Paula hat spät noch das Glück gehabt, dass ihr Name oft genannt wurde, nicht zuletzt in einer Reihe mit den großen der US-Literatur. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Paula Fox vergangenen Mittwoch im Alter von 93 Jahren in Brooklyn, New York gestorben. 

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