Zum Tod von Schauspieler George Kennedy : König der Sidekicks

Unter den 200 Produktionen, in denen er auftrat, waren Klassiker wie „Charade“, "Das dreckige Dutzend" und „Der Flug der Phoenix“. Zum erfolgreichsten Nebendarsteller seiner Generation stieg George Kennedy aber mit B- und C-Filmen auf. Ein Nachruf.

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Zielsicher. George Kennedy 1974 im Clint-Eastwood-Thriller "Die letzten beißen die Hunde".Foto: imago stock&people

Eine der irrwitzigsten Szenen der dreiteiligen Polizeifilmparodie „Die nackte Kanone“ spielt im Treppenhaus des Hauptbahnhofes von Los Angeles. Ein paar Polizisten, auffällig-unauffällig als Eisverkäufer oder Kartenkontrolleure getarnt, helfen Müttern mit ihren Kinderwagen die Treppen herauf und herunter. Als eine Gruppe von Mafiosi, standesgemäß mit Kaschmirmänteln und Borsalinohüten ausgestattet, die Tür passiert, lässt der grenzdebile Filmheld Lieutenant Frank Drebin, gespielt von Leslie Nielsen, sofort den Kinderwagen los und eröffnet das Feuer. Babys fliegen in Zeitlupe durch die Luft, Gangster werden niedergemäht, der US-Präsident, der Papst und eine Delegation von Briefträgern ducken sich weg, es ist ein einziges Inferno, das gleichzeitig Eisensteins Stummfilmklassiker „Panzerkreuzer Potemkin“ und den Mafiafilm „The Untouchables“ zitiert.

Erfolglos im Irrsinn

Am oberen Bildrand hockt die ganze Zeit Drebins Kollege Captain Ed Hocken und versucht, seinen Revolver zu ziehen. Das scheitert, weil er ihn fest in seinem Knöchelhalfter verschnürt hat. Der Polizist zieht Schuh und Socken aus, kommt aber nicht zum Schuss, während rings um ihn herum die Menschen sterben. Wenn Debrin schon ein Idiot ist, dann muss es wenigstens einen geben, der ein noch größerer Idiot ist. George Kennedy hat sein ganzes Berufsleben lang die Hauptaufgabe eines Sidekicks zuverlässig ausgefüllt: den Star glänzen zu lassen. George Kennedy, der 1925 in New York geboren wurde, im Zweiten Weltkrieg kämpfte und 16 Jahre bei der US-Army diente, war der König der Nebendarsteller. Für seine Rolle als sadistischer Häftlingsanführer, der im Gefängnisdrama „Der Unbeugsame“ Paul Newman quält, bekam er 1968 einen Oscar.

Als Fernsehstar nach Hollywood

Seine Karriere begann Kennedy als Fernsehtechniker, über Serien wie „Maverick“ oder „Peter Gunn“ fand er den Weg nach Hollywood. Unter den 200 Produktionen, in denen er auftrat, waren „Charade“ mit Audrey Hepburn und Cary Grant, „Der Flug der Phoenix“, Robert Aldrichs Kriegsfilm "Das dreckige Dutzend" und Henry Hathaways Western „Die vier Söhne der Katie Elder“, aber auch viele B- und C-Filme. Im Katstrophenfilm "Airport" behielt er, als Flugzeugspezialist Joe Patroni so erfolgreich einen kühlen Kopf, als Terroristen eine Bombe an Bord einer Passagiermaschine geschleust hatten, dass er auch noch - als einziges Mitglied des Original-Casts - in den Fortsetzungen "Airport '75", "Airport '77" und "The Concorde - Airport '79" mitspielen durfte. Im texanischen Intriganten-Stadt "Dallas" verkörperte er den Aufsteiger Carter McKay, der als Vorstandsvorsitzender von "WestStar" zum gefährlichen Konkurrenten von "Ewing Oil" wird, dem Ölimperium des Familienclans um Oberfiesling J.R. Ewing. Noch 2014 drehte er hochbetagt mit Mark Wahlberg und Jessica Lange das Spielerdrama "The Gambler". George Kennedy starb am Sonntag in Idaho. Er wurde 91 Jahre alt. Sein Credo, eine Verneigung vor dem Publikum, lautete: „Ohne Euch wäre ich nichts.“

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