Zum Tod von Stanisław Skrowaczewski : Ein Leben mit Bruckner

Lange hat es gedauert, bis Stanisław Skrowaczewski auch in Europa als großer Dirigent anerkannt war. Jetzt ist er mit 93 Jahren in den USA gestorben, die ihm zur Heimat geworden waren.

Stanlisław Skrowaczewski (1923-2017)
Stanlisław Skrowaczewski (1923-2017)Foto: Imago

Die Legende geht so: Mit sieben Jahren läuft Stanisław Skrowaczewski eine Straße in seiner damals noch polnischen Heimatstadt Lemberg hinunter – als er plötzlich aus einem geöffneten Fenster Musik hört, die ihn nie wieder loslässt. Es ist eine Sinfonie von Anton Bruckner. Und Bruckner sollte auch seinen weiteren Lebensweg entscheidend bestimmen. Das ehemalige Wunderkind Skrowaczewski kann nämlich nach einer Handverletzung im Zweiten Weltkrieg nicht mehr Klavier spielen – und schlägt eine Dirigentenkarriere ein. Er wird nacheinander Musikchef in Breslau, Warschau, Kattowitz und Krakau. Was ihn nicht davon abhält, auch noch Komposition in Paris bei Nadia Boulanger zu studieren.

1960 wandert er in die USA aus, übernimmt den Chefposten beim Minneapolis Symphony Orchestra, für ganze 19 Jahre. Erst in den 90er Jahren kehrt er nach Europa zurück – und erlebt hier seinen späten Durchbruch, als er sämtliche Sinfonien Bruckners mit dem Saarbrücker Rundfunk-Sinfonieorchester einspielt. Dafür erhält er 2002 den Cannes Classical Award.

Neun Mal dirigiert er die Berliner Philharmoniker, letztmals 2011, mit 88 Jahren - und natürlich mit Bruckner (3. Sinfonie). Und vor weniger als einem Jahr, im April 2016, stand er noch am Pult des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, um Bruckners Achte zu leiten – mit „märchenhafter Kondition“, wie der Tagesspiegel schreibt: „So strahlen die Wunder der Partitur unter seiner Leitung eine eigene Energie der Langsamkeit aus.“ Am Dienstag ist Stanisław Skrowaczewski mit 93 Jahren in St. Louis Park in Minnesota gestorben.

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