Zum Tod von Ulrich von Heinz : Hüter des Herrenhauses

Er war Ur-Ur-Ur-Enkel der Humboldt-Brüder und kümmerte sich jahrzehntelang um das Tegeler Schloss. Jetzt ist Ulrich von Heinz gestorben. Ein Nachruf.

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Gesamtkunstwerk. Das Humboldt-Schlösschen am Rand des Tegeler Forstes.
Gesamtkunstwerk. Das Humboldt-Schlösschen am Rand des Tegeler Forstes.Foto: Thilo Rückeis

Wenn im Schloss Tegel in der kommenden Woche der 250. Geburtstag des preußischen Staatsmanns und Gelehrten Wilhelm von Humboldt festlich begangen wird, wird einer fehlen. Und zugleich wird keiner so gegenwärtig sein wie er: Ulrich von Heinz, der Ur-Ur-Ur-Enkel, der Ende Mai gestorben ist. Denn gut fünfzig Jahre lang war er der Hausherr, der Bewohner und Bewahrer des Herrenhauses am Rande des Tegeler Forstes, in dem die Humboldt-Brüder ihre Kindheit verbracht haben und in das Wilhelm von Humboldt nach seinem beruflichen Leben zurückkehrte, um es zu einem Zeugnis seines Denkens zu machen. Die Erhaltung dieses Kleinods war Heinz zur Lebensaufgabe geworden.

Kulturerbe von nationalem Rang

Neben seinem Beruf als Rechtsanwalt hat Ulrich von Heinz damit die Aufgabe auf sich genommen, ein kulturelles Erbe von nationalem Rang zu behüten. Von Wilhelm von Humboldt selbst als Familienwohnsitz und höchst individuelles Museum gedacht, ist das Schlösschen ein lebendes Denkmal der Geisteswelt dieser fruchtbaren Epoche, die neuerdings durch das Projekt des Humboldt Forums im Nachbau des Berliner Schlosses in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit geraten ist. Mit seinen antiken Plastiken und mythologischen Reliefs, nach einem gedankenreichen Plan in den Räumen aufgestellt, bildet es so etwas wie die Weltsicht des humanistischen Denkers ab.

Dieses Leben mit dem Schloss bedeutete nicht nur eine Balance zwischen dem Familienleben mit drei Kindern in einem historischen Haus und der Sisyphus-Anstrengung, es zu erhalten. Ulrich von Heinz und seine Frau standen vor der Herausforderung der Wiederherstellung der Innengestalt des Hauses, mit der Humboldt ein ästhetisches und philosophisches Programm verfolgte. Denn die Skulpturen, mit denen er das Haus zum Gesamtkunstwerk gemacht hatte, waren 1945 in die Sowjetunion abtransportiert worden. Das Ringen um ihre Rückführung war mühsam, und erst mit der Wiedervereinigung gelang es, einen großen Teil der verlorenen Kunstschätze der Sammlung wieder einzufügen. Seither stehen sie wieder an denselben Plätzen wie zu der Zeit, in der Humboldt hier lebte.

Ort der Begegnung

Keiner hat länger im Haus gelebt als Ulrich von Heinz. Er und seine Frau haben das Humboldt-Schlösschen mit Konzerten, Vorträgen und Lesungen als Ort der Begegnung profiliert, regelmäßige Führungen angeboten und es zum Anziehungspunkt der Berliner Kulturlandschaft gemacht. Aber Heinz hat sich auch an den Problemen des privaten Unterhalts eines Baudenkmals abgearbeitet. Ein Mann der leisen Töne, sah er oft genug Anlass, leise darüber zu klagen, dass er sich trotz etlicher Restaurierungshilfen durch die öffentliche Hand „ein bisschen allein gelassen“ fühlte. Vor ein paar Jahren hat auch der lautstarke Streit über den Verkauf der Reisetagebücher von Alexander von Humboldt indirekt angedeutet, dass ein Schloss ein teures Vergnügen ist – sie hätten für teures Geld ins Ausland gehen können, landeten aber dank seiner Entscheidung doch beim Preußischen Kulturbesitz, das Geld in der Erhaltung des Humboldt-Schlösschens.

Mahlwerk der Zeitläufte

Ulrich von Heinz, eine schlanke, noble Gestalt, gradlinig und mit Mut zur eigenen Meinung, gehörte, Jahrgang 1941, noch einer Generation an, die das Mahlwerk der Zeitläufe zu spüren bekommen hat. Der Vater zu Beginn des Russlandkrieges gefallen, eine Nachkriegszeit, in der die Mutter sich der Aufgabe stellte, Schloss und Park wieder in Ordnung zu bringen, bis der Sohn in den siebziger Jahren die Verantwortung übernahm. Angesichts eines Lebens, das so bewusst und tatkräftig eine bedeutende Kontinuität fortsetzte, hat es etwas Tragisches, dass Ulrich von Heinz den säkularen Geburtstag des großen Vorfahren nicht mehr erleben konnte. Am Freitag ist er in der Familiengruft im Park des Tegeler Schlösschens beigesetzt worden.

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