Kultur : Zum Tode des amerikanisch-deutschen Filmregisseurs George Moorse

Jan Gympel

"Er hat sich wirklich eingegliedert und will nur noch einen Swimming Pool und schöne kommerzielle Filme machen", bemerkte George Moorse voller Verachtung über Francis Ford Coppola, der ihm als Kolumnist bei der Schulzeitung der Hofstra-Universität nachgefolgt war. Das war 1967, in einem Interview anläßlich von Moorses Erstling, der Kleist-Adaption "Der Findling". Wir wissen nicht, ob Moorse inzwischen selbst die Annehmlichkeit eines privaten Schwimmbeckens genoß. Doch zweifellos blieb er auch in den drei Dekaden, die seither vergangen waren, an "schönen kommerziellen Filmen" herzlich desinterssiert. Seinem Weg wohnte auch eine größere Konsequenz inne als dem manches deutschen Kollegen aus den bewegten Jungfilmertagen der sechziger Jahre. Die einstmals so große soziale und aufklärerische Ambition bewahrte sich George Moorse bis zuletzt - nur die mindestens ebenso hohen formalen Ansprüche blieben dabei ein wenig auf der Strecke.

Statt wie Coppola Karriere in Kalifornien zu machen, verschlug es den 1936 im Staate New York Geborenen nach Europa, wo er sich als Maler, Poet, Romancier und Regieassistent in Griechenland, Italien und Holland versuchte, bis ihm Hellmut Hafner vom Bayerischen Rundfunk und Walter Höllerer vom damals auch Filme produzierenden Literarischen Colloquium Berlin 1964 seinen ersten Kurzfilm ermöglichten. Drei Jahre später entstand mit "Kuckucksjahre" das vielleicht noch bekannteste seiner inzwischen weitgehend vergessenen Werke, einer der damals so beliebten Schwabing-Filme. Damit wies der poppige Streifen, zu dessen Besetzung der junge Rolf Zacher ebenso zählte wie Dunja Raiter oder Hubert von Meyerinck, eine gewisse Parallele zu Moorses eigenem Naturell auf: Ein wenig unstet, immer an Neuem und Experimentellen mehr interessiert als an dem Beackern des vertrauten Feldes und erst recht an einer geschickten Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache war auch das Kind der unruhigen Beat Generation selbst. Oft assoziativ und scheinbar improvisiert gaben sich seine Werke. Moorses komplexes µuvre umfasst TV-Adaptionen von Zadek-Inszenierungen ebenso wie Literaturverfilmungen, etwa die 1971 entstandene "Lenz"-Adaption, die neben viel Lob auch zahlreiche Bundesfilmpreise einstrich, oder einen Goethe-Film, der Ende August im ZDF laufen wird.

Etwas im Widerspruch scheint dazu zu stehen, womit sich Moorse in den letzten fünfzehn Jahren hauptsächlich beschäftigte: Neben Hans W. Geißendörfer war er der wichtigste kreative Kopf und Stammregisseur der "Lindenstraße". Am Freitag ist George Moorse in Köln an den Folgen eines Herzinfakts gestorben.

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