Kultur : Zum Werben schön

Berliner Opernstiftung: Jetzt startet Schindhelm

Frederik Hanssen

Am Freitag spielt das Theater Basel „Die Katze auf dem heißen Blechdach“. Intendant Michael Schindhelm wird dann allerdings nicht im Saal sitzen können: Denn am 1. April tritt er offiziell sein Amt als Direktor der Berliner Opernstiftung an. Die Rolle, die ihm (parallel zu seinem Schweizer Engagement, das bis Sommer 2006 läuft) in der deutschen Hauptstadt zugedacht ist, passt aber durchaus zu Tennessee Williams’ Klassiker: Für seine hell strahlenden, katzenhaften Augen ist der 44-jährige Kulturmanager berühmt – und ein heißes Blechdach ist die hauptstädtische Musiktheater-Holding allemal.

Wenn Schindhelm in den kommenden Monaten mit der nötigen Geschmeidigkeit agiert, kann er viel bewegen: Seine Aufgabe ist es schließlich in allererster Linie, in der Öffentlichkeit ein positives Bild der Stiftung herzustellen, gute Stimmung zu machen. Und da hat er mit dem weltweit größten städtischen Opernangebot zu unschlagbar günstigen Preisen einen echten Trumpf in der Hand. Die internen Probleme der Häuser – abwandernde Chefdirigenten, durch die Weltgeschichte jettende Intendanten, heimatlos gewordenes Stammpublikum – brauchen Schindhelm nicht zu bedrücken. Damit müssen Staats-, Komische und Deutsche Oper schon selber fertig werden. Und auch der Stellenabbau sollte als interner Vorgang so unauffällig für die Öffentlichkeit wie möglich abgewickelt werden.

Der Stiftungsdirektor soll dort Energien bündeln, wo es die Theater wegen der lokalen Konkurrenzsituation nicht leisten können: in der Darstellung nach außen. Mit der Website www.operinberlin.de gibt es bereits eine hervorragende Plattform, die es sogar ermöglicht, gezielt nach den Auftrittsterminen bestimmter Sänger zu suchen. Marketing heißt das Zauberwort: Hier wird noch viel zu wenig investiert, hier muss der neue Direktor den Intendanten klar machen, dass es immer wichtiger wird, zu informieren, zu animieren, je weiter das Allgemeinwissen über Musiktheater schrumpft. Mit Stücktiteln oder Sängernamen allein lassen sich nur die Kenner locken, die sich sowieso aus eigenem Antrieb informieren.

Der Zufall will es, dass just zu Schindhelms Amtsantritt an der Komischen Oper ein Abend mit allergrößter Öffentlichkeitswirkung über die Bühne geht – der das Haus zudem nicht einen Cent kostet: Am 1. April wird Thomas Gottschalk im Chor der „Zauberflöte“ mitsingen, um eine verlorene „Wetten dass“- Wette einzulösen.

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