Kultur : Zupackend

„Così Fan Tutte“ im Potsdamer Schlosstheater

Carsten Niemann

Dass Mozarts und Da Pontes „Così fan tutte“ ein zeitlos aktuelles Stück ist, wird oft behauptet. Trotzdem ist man erstaunt, wenn nach der Ouvertüre plötzlich ein paar Herren aus der Reihe nebenan aufstehen, um nach erregtem Wortwechsel eine Wette über die Treue ihrer Freundinnen abzuschließen. Wobei ein Blick auf die mit Zuschauerreihen besetzte Bühne ja schon vorher hätte verraten können, dass hier jeder Zuschauer ein potenzieller Mitspieler ist. Das Konzept von Regisseur Uwe Eric Laufenberg ist so einfach wie stimmig. Es nutzt zudem auf kluge Weise die intime Atmosphäre des Schlosstheaters Sanssouci, das der Schauplatz ist für die Koproduktion der Kammerakademie und des Hanns Otto Theaters Potsdam in der Reihe „Potsdamer Winteroper“. Allerdings liegt die Aufmerksamkeit ganz auf Personenführung und Darstellungskunst der Sängerschauspieler. Diese lassen Wünsche offen: Gerade die Männer flüchten sich bisweilen in Operngesten, obwohl das Pausenpublikum doch viele Anregungen für den Charakterdarsteller hätte bieten können. Geschmackssicher ist die musikalische Leistung. Dabei gelingt es Jutta Böhnert als Fiordiligi am besten, ihrer Figur Charakter zu geben. Beherzt und souverän wird die Produktion von Konrad Junghänel geleitet; von Introvertiertheit spürt man bei dem Lautenisten nichts, wohl aber viel Sinn für rhetorische Klarheit und plastische Details.

Weitere Aufführungen: 10., 15., 17. und 18. November

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