Kultur : Zurück ans Ufer

Der Künstler Josph BeuysJoseph Beuys war unbequem.Die Kunstakademie Düsseldorf konnte davon ein Lied singen.Vielmehr: das aufsichtsführende Kultusministerium.Johannes Rau hieß der Minister, unter dessen Ägide der Lehrstuhlinhaber für monumentale Bildhauerei die Pforten seiner ohnehin überlaufenen Klasse für alle Interessenten öffnete, unter Verzicht auf jegliche Aufnahmeprüfung.Für den Schöpfer des geflügelten Wortes "Jeder Mensch ist ein Künstler" war dieser Regelverstoß nur konsequent - für die Akademie hingegen ein Problem.Rau fackelte nicht lange und warf Beuys aus dem Amt.Seinem Ruhm tat das keinen Abbruch, nur Rau hatte an der Geschichte eine Weile zu tragen. Beuys ist im Januar 1986 verstorben, sein Widersacher indessen noch im Amt - als Ministerpräsident, wohin ihn der politische Erfolg alsbald führte.Die Düsseldorfer (Wahl-)Heimatstadt des "Schamanen" Beuys ehrt jetzt ihren zweifellos berühmtesten Einwohner der Nachkriegszeit: Ein respektabler Teil des Rheinufers trägt seit gestern seinen Namen.Joseph-Beuys-Ufer - das ist mehr als irgendeine Altstadtstraße, mehr auch als der Paul-Klee-Platz, der nichts weiter ist als der Hinterhof der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.Auch Klee war einmal Düsseldorfer Akademielehrer. Nein, Beuys gehört ans Ufer.Ihm ist das Teilstück gewidmet, an dem er einst anlandete, zurückgerudert von der anderen Rheinseite in einem vom Kollegen Anataol geschlagenen Einbaum.Mit dieser Aktion, die sich 1998 zum 25.Male jährt, machte Beuys seinen Anspruch auf das akademische Amt geltend, dessen Regeln er sich nicht von einem Minister diktieren lassen wollte. Wenige Meter vom Joseph-Beuys-Ufer entfernt aber liegt das ehrwürdige Gebäude der Kunstakademie - und träumt womöglich von den vergangenen, Kunst-gleich-Leben-trächtigen Tagen des Meisters. BS

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