Kultur : Zurück auf Anfang

NAME

Christina Tilmann stellt eine völlig neue Frage: Was soll ins Berliner Schloss?

Es schien ein Geniestreich, mit dem Klaus-Dieter Lehmann den Gordischen Knoten durchschlug: Sein Vorschlag, die außereuropäischen Sammlungen aus Dahlem ins Zentrum auf den Berliner Schlossplatz zu holen, beendete eine zehnjährige, fruchtlose Diskussion. Das Credo, dass zunächst über die Nutzung zu entscheiden sei, bevor die Form gewählt werden könne, galt seitdem unangefochten – und bestimmte die viel gelobte Arbeit der internationalen Expertenkommission.

Nun, da nach Berechnungsfehlern klar ist, dass längst nicht alle von der Kommission vorgesehenen Institutionen im Stadtschloss räumlich unterkommen (Tsp. 10.9.), muss das Nutzungskonzept nochmals grundlegend überprüft werden. Denn das Herz der Stadt braucht mehr als – wie auch immer neu gestaltete – Völkerkundemuseen: Es braucht Tausende von Besuchern, täglich.

Abgesehen davon, dass mit dem von Kulturstaatsminister Nida-Rümelin in seiner ersten Reaktion favorisierten Rausschmiss der Zentralen Landesbibliothek eines der größten Sorgenkinder der Stadt, die derzeit auf zwei Standorte höchst ungünstig verteilte Bibliothek, erneut auf Null gesetzt würde: Bedeutete diese Lösung nicht auch eine Ausladung des Landes Berlin, das nach dem Bundestagsbeschluss über die äußere Gestalt nur durch Einbeziehung der Bibliothek an das Projekt zu binden wäre?

Eines steht fest: Kurz vor der Sommerpause hatte der Bundestag mit einem überraschend klaren Votum für die Rekonstruktion der barocken Fassade votiert. Er hat damit bestätigt, dass – kluge Nutzungskonzepte hin oder her – das öffentliche Interesse allein der Hülle, der Wiederherstellung des Stadtbildes, galt. Wir werden in Zukunft ein prunkvolles, traditionellen Formen verhaftetes und eben doch nicht so großes Gebäude auf dem Schlossplatz haben. Nun heißt es erneut: Was passt hinein? Die im Kulturforum vom großen Publikum nicht genug angenommene Gemäldegalerie, die vom Schloss ihren Ausgang nahm? Die Dahlemer Sammlungen, die mehr Aufmerksamkeit brauchen? Oder eben auch eine Bibliothek, die für alle Besucher, nicht nur für die Studenten der benachbarten Humboldt-Universität, ein lebendiger Ort des Weltwissens wäre? Die Diskussion ist jetzt nochmals eröffnet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar