Kultur : Zurück auf Los

Jörg Königsdorf

Ob die deutsche Operngeschichte anders verlaufen wäre, wenn „Dafne“ überlebt hätte? Zumindest der Wiederentdeckung der deutschen Barockoper hätte es sicher einen kräftigeren Impuls gegeben, wenn Heinrich Schütz’ 1625 (anlässlich einer Fürstenhochzeit) in Torgau uraufgeführtes Ovid-Drama die Kriege und Vernachlässigungen dreier Jahrhunderte heil überstanden hätte. Denn höchstens mit einer Oper des größten deutschen Komponisten vor Bach hätte man sich schließlich einigermaßen neben den Italienern und ihrem Claudio Monteverdi behaupten können. Doch die Musik des Henricus Sagittarius ging verloren, und weil mit der ersten erhaltenen deutschen Oper, dem allegorischen Spielchen „Seelewig“ des ansonsten kaum bekannten Nürnberger Stadtmusikus Johann Staden, wenig Staat zu machen ist, gilt Deutschland seither als Spätentwickler-Nation in Sachen Musiktheater.

Erhalten geblieben ist allerdings der „Dafne“-Text des Barockpoeten Martin Opitz. Und obwohl der Autor sich später von dieser Umbiegung des Metamorphosen-Stoffs auf die Bedürfnisse der sächsischen Herrscherdynastie distanzierte, sind ihm für diesen Anlass doch etliche schöne Zeilen eingefallen. Drei junge Komponisten haben es jetzt unternommen, die mythische Verwandlung eines Mädchens in einen Lorbeerbusch wieder in Töne zu kleiden. Nicht als historische Rekonstruktion, sondern als bewusst moderne Neuvertonung, bei der sich jeder der drei aus der Vorlage eine Kurzoper von gut einer halben Stunde Länge zurechtschneidern durfte. Im Rahmen des „Zeitfenster“ -Festivals präsentiert das Kammerensemble für Neue Musik Berlin am Montag (20 Uhr 30) in der Elisabeth-Kirche in Mitte, was Benjamin Schweitzer, Adrian Pavlov und Tobias Schwenke zu Versen wie „Die Kräuter selbst, so ohne Geist aufgehn, sind Freund doch unter sich“ eingefallen ist.

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