Kultur : ZURÜCK - CHANSON

ULRICH AMLING

"Warum leben die Juden auf der ganzen Welt verstreut?", fragt Roman Grinberg, Sänger der Gruppe Frejlech aus Wien, und antwortet flugs: "Damit sie sich besser aus dem Weg gehen können!" Daran war zum Auftakt der Jüdischen Kulturtage gar nicht zu denken: Das Gemeindehaus, mit Hilfe von Marmortischchen und Heurigen-Bänken in einen Wiener Ballroom verwandelt, war rappelvoll.Ausgelassene Heiterheit hat es schwer zu Beginn: Reden wollen gehalten werden, und der 60.Jahrestag des 9.November liegt gerade zwei Tage zurück.So setzt Sandra Kreisler als "Mistress of Ceremonies" dann auch bewußt nicht auf große Conférencen, springt mitten hinein in Wiener Skurrilitäten, der oberflächlichen Liebe Mozart etwa (andere Musik lenkt im Konzert ja auch zu sehr vom Beobachten und Lästern ab) und der behäbigen Beamtenstadt mit ihren "Geheimräten".Dazu empfiehlt die Tochter von Georg Kreisler und Topsi Küppers koschere Sacher-Torte.Eine gehaltvolle Mischung.Leichtgewichtiger dagegen die Verbeugung vor der Wiener Cabaret-Größe der 20er Jahre, Karl Farkas.Seine Schüttelreime schütteln einen heute nicht mehr so recht vor Lachen, aber museal charmant ist die Darbietung von Bela Koreny und seinen Kabarett allemal.Traditionell auch der Blick der Klezmergruppe Frejlach, die "Baj Mir Bisti Schejn" geigenselig zum Swingen bringt.Beim abschließenden Tanz spielen die Musiker in weißen Dinner-Jackets israelische Schlager von Grand-Prix-Format.Dennoch bleibt der Kreis der Tänzer noch eng.Doch das wird sich sicher bald geben (weitere Programme vom 16.bis 19.11., ab 20 Uhr, im Jüdischen Gemeindehaus, Fasanenstraße 79-80.)

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