Kultur : ZURÜCK - CHANSON

ULRICH AMLING

Zu Karneval darf alles mal auf dem Kopf stehen, da wird nach Narrenkräften die Welt für ein paar tolle Tage aus den Angeln gehoben.Und so kam es, daß die Diseuse Gerlinde Kempendorff am Rosenmontag im Apollo-Saal der Staatsoper vors Publikum trat, während zur gleichen Zeit im Schauspielhaus Lucia Aliberti, die Diva, ihre Koloraturen und Spitzentöne unters Volk warf.Aus Ehrfurcht vor dem matten Goldschein des Etablissements wollte die Kempendorff gar nicht von Singen reden, nein, sie billigte sich gerade mal "eine musikalisch rufende Anwesenheit" zu.Doch ihr Kleid, pardon, ihre Abendrobe, begeisterte die Ruferin: "Man kriegt keine Luft und kann sich nicht bewegen, aber es ist schön.Genauso ist die Oper." Nun sollte es losgehen mit den versprochenen Irrungen und Wirrungen durch die Opernwelt.Kreislers Opernboogie, dieses infernalisch handgestrickte Schreckenstableau, hetzt flott und wirksam dahin.Sehr hübsch die von Dieter Finnern verfaßten 10 Postkarten aus Bayreuth, für die sich die Kempendorff nach einem Kostümwechsel auf offener Bühne als Elfriede Huber präsentiert.Die wallfahrtet schon seit Jahren regelmäßig zum "Meister" und schickt den daheimgebliebenen Ignoranten heitere Kärtchen.In einem ist sich die patente Elfriede leider sicher: "Es gibt nichts zu lachen auf der Opernbühne." Das gilt mitunter auch für das Kabarett, denn viele Texte des Abends werfen wenig humoristische Blicke auf das Zuhause der Diven und Tenöre.Auch wenn die Kempendorff in allen Tonlagen gurrt und faucht und Kim Eustice am Piano orchestrale Klangwellen erzeugt, viele klassische Opernparodien haben einfach mehr Pepp: Schlag nach bei Nestroy!

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