Kultur : ZURÜCK - CHANSON

JÖRG KÖNIGSDORF

Zunächst sieht es tatsächlich so aus, als würden die drei Diseusen es ernst meinen mit dem provokativ geringschätzigen Titel ihres Programms.Das heißt "Über Samenspender und andere R-Güsse (Teil 2)", und Natascha Petz, Mai Horlemann und Annette Kruhl zücken auch gleich die Maßbänder, um die anwesenden Männer detailgenau zu vermessen.Mit deftigem Karnevalshumor nach dem Strickmuster von "Der Erwin greift der Heidi von hinten an die ....Schulter" heizen sie die Stimmung an, um sie dann, wenn der Gag-Erwartungspegel in der Ufa-Fabrik schon blubbernde Vorauslacher produziert, souverän ins Melancholische wenden."Seitdem Du nicht mehr da bist, geht gar nichts mehr" heißt es dann auf einmal, und keiner weiß so recht, ob er bei der Aufzählung all der Haushaltsgeräte, die jetzt nicht mehr funktionieren, wirklich lachen soll.Über die Samenspender erfährt man von da an nur noch wenig, dafür reden und singen die drei von dem, was sie am besten kennen - sich selbst.Von ihren Komplexen, von der ewigen Suche nach dem Richtigen, von One-Night-Stands und Mutterwünschen.Mit genug selbstironischer Distanz, um ihre Chansons nicht ins Sentimentale abkippen zu lassen.Das wird nicht langweilig, auch weil die drei sich charakterlich und stilistisch optimal ergänzen: Horlemann ist dabei ganz die klassisch-coole Diseusen-Diva im hochgeschlitzten Samtkleid, Petz das naive Pummel-Girlie mit Opernambitionen und Kruhl die 70er-Jahre-Liedermacherin, die sich mit Udo-Jürgens-Staccato selbst am Klavier begleitet.Frauen, die über Männer lachen wollen, kommen dabei freilich nicht auf ihre Kosten.Aber die können es ja mal mit dem Alltag versuchen (noch bis 20.3.).

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