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KNUD KOHR

Ab und zu gibt es Privatgelehrte, die gängige Wissenschaftsmodelle grundlegend anzweifeln. Zu ihnen zählt auch Hans-Joachim Zillmer. Da der Bauunternehmer aus Solingen nicht so prominent ist wie die Kollegen Erich von Däniken oder Johannes Buttlar, promotete er sein Buch "Darwins Fehler" in der kleinen Galerie Bellevue, und die Bedienung des Overhead-Projektors wurde von seiner Frau übernommen. Zillmer hält Darwins Evolutionslehre - also die Entstehung der Arten durch Auslese und Fortentwicklung - für Blödsinn. Er ist Vertreter einer kleinen wissenschaftlichen Gegenschule, die an die Katastrophentheorie glaubt. Ihr zufolge gab es eine Zeit, in der sämtliche heute bekannten und ausgestorbenen Arten miteinander die Erde bevölkerten. Laut dieser Meinung hätten beispielsweise auch Menschen und Dinosaurier zusammengelebt. Vor sechs- bis zehntausend Jahren wäre dann durch mehrere schwere Meteoriteneinschläge eine Vielzahl von Arten ausgerottet worden. Der 49jährige Zillmer, der sich selbst als Praktiker versteht, nahm zur Untermauerung seiner Thesen an zahllosen Ausgrabungen und paläontologischen Untersuchungen teil. Da er ein guter, engagierter Redner ist und seine Funde oft recht surril sind - unter anderem reichte er ein Stück versteinerten Saurierkot durchs Publikum - war die Stimmung unter den Zuhörern höchst aufmerksam, aber geteilt: Neben Dauergrinsern und Skeptikern mit verschränkten Armen fanden sich durchaus auch Menschen, die gläubigen Blickes an seinen Lippen hingen. Vielleicht sind tatsächlich Außenseiter wie Zillner nötig, damit wir die Meinungen der Wissenschaft nicht als unverrückbare Naturgesetze hinnehmen. Im Herbst 2000 soll übrigens sein neues Buch erscheinen. Dann will der Ingenieur die Theorie von der Erdanziehungskraft widerlegen.

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