Kultur : ZURÜCK - FILM-IDOLE

ANDREAS HERGETH

Bruce Willis ist ein schönes Beispiel: Läuft ein neuer Streifen an, pilgern viele Lesben und Schwule ins Kino, um dem gemeinsamen Idol zu huldigen.Wer Willis im gerippten Unterhemd von Gaultier in "Das fünfte Element" sah, kann erahnen warum.Manche Lesbe würde gern so männlich wirken wie er.Und vielen Schwulen beschert Brucie-Boy feuchte Träume.Nobody is Perfect.Im Schwulen Museum werden Filmidole von Lesben und Schwulen präsentiert (Mehringdamm 61, bis 11.4., Mi-So 14-18, Do bis 21 Uhr).Fotos von 40 Leinwandhelden baumeln von der Decke.Auf der Rückseite steht viel zu lesen, Fakten, Anekdoten sowie der Homofaktor.Von Null bis Sechs wurden die Idole bewertet.Nach einem undurchsichtigen System.Wie sonst kann es angehen, daß gerade Willis mit Null Punkten leer ausgeht, aber Jodie Foster (die sich bislang nicht outete) satte Fünf einheimst? Versöhnlich, daß die gemeinsamen Götter der Queer-Gemeinde - die Dietrich, Divine, Dean - die Höchstpunktzahl erreichen.Sie alle sind in Filmausschnitten, per Dias und auf Plakaten zu sehen.Am hübschesten aber ist das James-Dean-Zimmer mit Devotionalien aller Art und einer James-Dean-Tapete.Das läßt auch darüber hinwegsehen, daß filmwissenschaftliche wie politische Aspekte keine Rolle spielen.Dieser Nichtanspruch auf Vollständigkeit läßt Raum für Gedanken, fürs Schwärmen: Von Lesben und Schwulen wird viel in ihre Idole hineintransportiert.Träume, Gefühle, Sehnsüchte.Egal, ob die Angehimmelten zur "Gemeinde" gehören oder nicht - nobody is perfect.Mit schauspielerischem Können oder Geschmack hat das ohnehin nichts zu tun.Eher mit dem Vorgaukeln einer anderen Welt.Aber, warum gehen denn Heteros ins Kino?

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