Kultur : ZURÜCK - FILM

KAI MÜLLER

Da Buddy Giovinazzo derzeit als Gast des DAAD in Berlin weilt, zeigt das Kino in der Brotfabrik seinen 1986 entstandenen Low-Budget-Film Combat Shock.Vor der Vorführung nahm der Regisseur die Gelegenheit für eine kurze Lesung wahr, eine Geschichte - angeblich - über die Macht der Mafia über das Baugewerbe.Doch es folgte bloß die Beschreibung eines ziemlich wüsten Massakers zweier Auftragskiller.Während der eine ein sich versteckendes Mädchen aus Mitleid am Leben läßt, wird es im nächsten Moment von seinem Kumpel kaltblütig umgelegt."Meine Güte", sagt er, "diese russischen Waffen sind wirklich eine Wucht." Giovinazzo gehört zu den amerikanischen Independent-Filmern, die über Gewalt nicht bloß zynisch reden wollen.Da er sie als Ausdruck übergeordneter Machtinteressen versteht, muß sie einen Sinn erfüllen, und da er sie nicht verhindern kann, will er sie wenigstens übertreffen."Combat Shock" erzählt die Geschichte eines traumatisierten Vietnam-Veterans, der mit seiner Familie in einem heruntergekommenen Slum-Viertel vor die Hunde geht.Er findet keine Arbeit, sein reicher Vater hat ihn verstoßen, und Mafia-Schlägern schuldet er Geld."Der Krieg ist nicht zuende", heißt es, "das Schlachtfeld hat sich nur verschoben." Als er nicht mehr weiter weiß, erschießt er seine Frau, sein Kind und schließlich sich selbst.Das düstere Endzeit-Szenario, das im Niemandsland stillgelegter Bahngleise und Geisterbahnhöfe spielt, wollte ein Anti"Rambo" sein.Kein Amerika, das durch die Tatkraft des Helden erlöst würde.Dafür die Passion eines verwirrten Geistes, der sich mit einem letzten feierlichen Akt in Slow-Motion aller Qualen entledigt.

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