Kultur : ZURÜCK - KABARETT I

NORBERT TEFELSKI

Der Erfolg des Comiczeichners als Bühnen-Entertainer beruht hauptsächlich auf einer simplen Übereinkunft: Wenn Phil Tägert alias "Fil" das Jung-und-blöd-sein in den achtziger Jahren thematisiert, ist ihm der Jubel seiner Generationsgenossen sicher. Die kollektive Erinnerung, nur bedingt selbstironisch, applaudiert sich selbst. Dazu reicht schon die nostalgische Erwähnung einer Speiseeis-Sorte: Ja, damals, "Dolomiti" - im Gegensatz zu "Eis-Mars", dieser "typischen Neunziger-Jahre-Crossover-Kacke." Auch sein neues Programm im Mehringhoftheater, "Zwei Satansknochen tanken Super" (bis 26.6., Di-Sa jeweils um 20.30 Uhr), erweist sich über weite Strecken als vergleichende Popularkultur-Tour, gewürzt mit Berliner Proll-Jargon, schaurigschön gereimt, parodistisch geklampft aus der Lamäng - falls Hand und Stimmband nicht gerade vom piepsigen Kuschelhai-Püppchen Sharkey beansprucht werden. Man muß kein Fil-Fan um die 30 sein, um sich darüber zu amüsieren, wie unangestrengt der charmante Dilettant das Absurde aus dem Banalen schüttelt - selbst auf die Gefahr, daß dabei zufällig richtiges Kabarett rauskommt. Wie bei der unglaublichen Entdeckung einer Nazi-Verschwörung hinter dem Konfektionskürzel "H & M". (Psst, geheim!) Bleibt Freiraum genug, im silbernen Minikleid die eigene Schwester zu mimen und mehr oder minder glaubwürdige Interna der Familie Tägert dem Volk vorzuwerfen. Man darf denn auch mit einem "um Aufmerksamkeit bettelnden Husten" einen kleinen Beitrag zum nächsten Song leisten. Zur meisterlichen Dreistigkeit, die den Kerl seit acht Jahren vors Publikum treibt, kommt zunehmend jene darstellerische Souveränität, mit der er nicht nur Stimmen imitiert. Denkbar pointiert auch setzt er dem letzten Playboy ein Denkmal. Wenn sich aber "Rolfing" von Rolf Eden ableitet, sollten wir eine spezielle Zwerchfellertüchtigung "Filling" nennen.

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