Kultur : ZURÜCK - KABARETT

NORBERT TEFELSKI

Daß er firm ist als Conférencier, Musiker, Komödiant, bewies Michael Sens nicht zuletzt im Bühnenklamauk "Unendliche Weiten" oder mit solistischen Ausprobiershows im gammelfein-kleinen Schlot.Sein hoffnungsfroh Endlich prominent betiteltes Programm in der Ufa-Fabrik (bis 15.11., Di-So 20.30 Uhr) zeigt allerdings ein weiteres Mal, wie sich tolle Talente abendfüllend überheben können.Wenn er gemeinsam mit dem Pianisten Rolf Hammermüller singt und geigt, dialogisiert und dichtet, verzichtet er immerhin auf die allzu beliebte Comedy-Hackordnung, für die das Berliner Duo Pigor & Eichhorn vorläufige Maßstäbe setzte.Daß er andererseits deren "Salon Hip Hop"-Stil, unzulänglich getarnt als "Michas Toleranztherapie", bis ins gestische Detail kopiert - darüber muß man schon deshalb den Kopf schütteln, weil der phantasievolle Schlaks mit der angenehmen Stimme solch plattes Epigonentum nicht nötig hätte.Ebensowenig wie schlechte, alte Witze oder ein banales Beziehungsliedchen mit penetrant-pädagogischer AIDS-Pointe.Letzteres beschließt, als überflüssiger Bonus Track, auch die CD "Aussterbende Tierarten", und mit dem Vortrag einiger der darauf versammelten Nonsens-Miniaturen schwingen sich die beiden zu wunderhübschen kammermusikalischen Höhen auf.Im luftleichten Klangraum zwischen Fauré und Satie verwehen Hammerhai, Scholle oder Tamagotchi.Grundsätzlich hat Sens als musikhistorischer Wilderer (nicht Kopist!) seine besten Momente - logisch, bei einem Vorfahren wie Camille Saint-Saens.Die Fahrt nach Tempelhof lohnt jedenfalls, um vor Ort die CD zu erwerben.

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