Kultur : ZURÜCK - KABARETT

NORBERT TEFELSKI

Er verträgt keine "Menschen auf nüchternen Magen", schimpft sich durch "Gemüsegasse" und "Werkzeugstraße" in Super- und Baumarkt, rezitiert konsumkritische Verse, einige Male sogar nach Noten, stets bedacht auf angemessen grantiges Geschau.Holger Paetz pflegt die geläufig misanthropische Haltung des verunsicherten, postfeministisch lädierten Menschenmannes; sein Programm "Weichei muß man köpfen" ist Identifikations- und Bestätigungskabarett mit Beziehungsgenörgel, "Leiden am Landsmann" und ein bißchen auch am politischen "Globusismus" (endlich mal ein brauchbares "Multikulti"-Synonym) mitsamt "Lohnnebelkotze".Die Frage, was an den "jungen Wilden" der CDU jung oder wild sein soll, wabert ebenfalls abrufbar durch die Medien - und so rennen Paetzens "Grenzerfahrungen im Nahbereich" offene Türen ein.Restauranttüren beispielsweise: Ähnliche Gespräche, "beim Italiener" oder "beim Chinesen", hat wohl jeder Zuschauer schon erlitten.Daß der auf Dauer ermüdende Wink mit dem Brettl dennoch streckenweise unterhält, liegt am markant vorgeführten Miesepeter, der trotz mundartlicher Fremdgänge deutlich im Melderegister von München steht.Seine treffliche Wiedergabe alltäglicher Sprachbeklopptheiten - unter besonderer Berücksichtigung des bajuwarischen Lapsus linguae - erheitert all jene, die überhaupt noch ein Gefühl für "Chicken-Wochen" und andere anglomanische Mixed-up-Sprüche besitzen.Wer also "heute noch nicht sein Haha gemacht" hat, findet im Mehringhoftheater (noch bis zum 28.November, täglich 20.30 Uhr) unkompliziertes, garantiert irritationsfreies Amüsement.

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