Kultur : ZURÜCK - KABARETT

NORBERT TEFELSKI

Die Bühne des BKA sieht aus wie eine Rumpelkammer, Alf Poier mittendrin, als könne er nicht bis drei zählen.Beides stimmt nicht, weil der österreichische - nun ja: "Kabarettist" dem geordneten Chaos im Laufe des Abends etliche - sagen wir mal: "Sachen" entnimmt.Mehr als drei jedenfalls, so viele stehen schon auf dem Veranstaltungsplakat: "Himmel, Arsch und Gartenzwerg" (bis 6.Dezember, 20 Uhr).Abgesehen von selbstgebastelten Nonsensobjekten zeigt er hauptsächlich Bilder mit Titeln wie "Ein Pferd geht durch ein Mädchen und grüßt nicht einmal", "Eierhundgranate mit zwei Sprengköpfen" oder "Nackte Frau im Kleid".Singt "Happy Metal"- und andere Lieder, dabei Gitarre und Baßtrommel traktierend.Spricht Gedichte und "richtige Literatur", solche, die sich hinten nicht reimt.

Der Baskenmützenschlumpf mit dem Schlafzimmerblick bramarbasiert und vernuschelt sich, nimmt Leerlauf billigend in Kauf - und die Leute laufen ihm doch nicht weg.Sie warten auf die nächsten Höhepunkte, die komprimiert eine Spitzenshow in halber Zeit ergäben - wie ein "Berg, der genau oben aufhört".Oder eine Ratte mit Sollbruchstelle.Poier, naturverbunden, konstatiert, daß nur die Fische weg müßten, dann wären unsere Flüsse wieder sauber.Nach dieser Logik erläutert er auch eine seiner kostbar gerahmten Kritzelagen: "Das hier ist eine Kopie - das Original muß ich noch malen." Seine grotesk verknotete Gedankengänge entzücken nicht nur das Publikum, sondern auch den Akteur: "Jetzt muß ich selbst lachen, das hab ich noch nie gehört." Was Wunder, trimmte er doch sein Programm frisch auf Hochdeutsch, der steirische Bub.Dennoch hat er einen Verwandten in Berlin: Er sollte sich den Abend mit Phil (gerne auch "Fil") Tägert teilen - dem singenden, klampfenden Comedy-Cartoonisten mit ähnlich wurschtiger Bühnenhaltung.Gemeinsam wären sie extrastark.

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