Kultur : ZURÜCK - KLANGKUNST

VOLKER STRAEBEL

"Konzertinstallation" nennen Jens Brand und Waldo Riedl ihre "Mini-Fan Music" und bezeichnen so die originär musikalische Spielart der "performed installation".Das BKA bot den Dortmunder Künstlern und Musikern dafür den Raum: Im Varieté stellten sie zwischen den Besuchern Gitarren auf den Boden und plazierten Taschenventilatoren (Mini-Fans) so daneben, daß deren rotierende Flügel die Saiten streifen.Die nachlassende Leistung der Batterien führt zur Verlangsamung der Drehgeschwindigkeit, zum allmählichen Absenken der Rotorenblätter, und damit zu ständig wechselndem Druck und Ansatzwinkel der Schwingungserreger.So ändert sich im Lauf von vier Stunden das räumliche Netz von Schwebungen und Obertonflirren.Beim Übergang der Rotoren von einer Saite zur nächst tieferen setzen einzelne Instrumente aus und wieder ein, manchmal entstehen klanglich delikate rhythmische Pattern.Diese dominieren zum zärtlich diminuierenden Ende hin, bei dem - zufällig - eine kleine Hawai-Gitarre, die Ukulele, über dem immer dünneren tiefen E der Gitarren triumphiert.Wie in anderen Performance-Stücken von Jens Brand verschmelzen in "Mini-Fan Music" der klangliche Verlauf und die Form seiner Hervorbringung zu einer konzeptionell dichten Einheit.Scheinbar unspektakulär öffnet sich hier ein Ausweg aus der Misere gegenwärtigen Komponierens, der nicht nur natürliche Prozesse und Klänge nutzt (hier wird nichts elektrisch verstärkt), sondern auch eine beglückend schöne, räumlich differenzierte Klangwelt erschließt.Diese erscheint um so zarter, als daß ihr mit Brands "Ratsches" für acht computergesteuerte Holzratschen (Interface: Sukandar Kartadinata) ein sich aggressiv steigerndes Geräuschstück voranging.Ein wichtiger Abend für die zeitgenössische Musik.

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